Michael Starcke

das entsetzen

manchmal ist das entsetzen
umso größer, je näher wir
schon dran waren, es
verdrängend zu ignorieren.

draußen die nicht mehr so
strahlende sonne des herbstes,
im halbdunklen zimmer
das einprägsame bild
eines toten jungen am strand,
als werde er sich auf
dem bildschirm im kopf
als standbild verewigen.

auf der flucht übers meer
hat er zukunft und leben,
sein hagerer vater
frau und kind verloren.

kein guter glaube hat
sie bewahrt,
kein wunder, ein teuer
bezahlter schleuser, geholfen.

an einem tisch sitze ich,
kein junger mann mehr
und denke darüber nach,
ob meine geweinten tränen
etwas bewirken können, ohne zu
wissen, was sich noch finden wird.

Rezension I Buchbestellung III15 LYRIKwelt © M.St.