Michael Starcke

die häuser vor meinem fenster
(aus: zwischenbilanz, Essen 1999)

die häuser vor meinem fenster

endliche größen

die häuser vor meinem fenster.

wenn ich nur wüßte,

worauf sie warten,

wenn jemand aus dem regen,

ohne sich umzusehen,

in den traum

ihres inneren tritt

mit lehm an den schuhen.

nicht auszumachen,

hinter welchen fenstern

welche irreführung saktioniert wird,

welches credo anlaß ist

für leise gespräche

oder dafür,

daß schweigen zum ausdruck

einer chronischen krankheit avanciert,

die das halbseidene bemühen

nach sich zieht,

fremden stimmen

aus dem weg zu gehn

scheu, wie verwilderte katzen.

die häuser vor meinem fenster,

gelassen stehen sie

wie verschlafen.

ich könnte sie zeichnen

mit einem blick: eine tür,

hinter der ich grundloses

weinen vermuten kann,

grundloses weinen,

einen schnaps und

gelegenheit, die liebe macht.

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