Michael Starcke

meine tote mutter

manchmal wähle ich
wie all die jahre
morgens noch
ihre nummer,
in einer art
vorfreude
auf ihre stimme,
verwundert,
dass sie sich nicht meldet.

vielleicht ist sie schon
auf dem weg zum markt,
denke ich,
auf zierlichem fuß
oder auf der suche
nach einem weg zurück.

vielleicht hat sie,
ohne eine tür zu öffnen,
ihr grab längst verlassen

und ihr verwunschenes
schweigen freut sich
auf eine
unerwartete
verabredung mit mir
unter den alten bäumen
im friedhofsgarten.

Rezension I Buchbestellung II15 LYRIKwelt © M.St.