Carl Spitteler

Auf der Milch- und Honigwiese

Sieh diesen Milch- und Honigblütensegen
Am Hügel hin.
Hier will ich mich zu deinen Füßen legen.
Lieg auch dahin.

Man kann getrost ins Gras die Eintracht lenken.
Gib mir die Hand.
Die Wolken manchmal waagrecht anzudenken
Ist intressant.

Nimm diese Decke unter deinen Rücken.
Liegst du bequem?
Doch könntest du noch etwas näher rücken,
Wärs angenehm.

Nun schau ich bloß den hohen Himmelsbogen
Und sonst nichts mehr,
Und um und um von weichem Gräserwogen
Ein endlos Meer.

Hörst du die Grillen, wie sie emsig künden
Den Takt der Zeit?
Und eine ferne Glocke hallt aus Gründen
Der Freundlichkeit.

Ich glaub, ich kann jetzt kühn die Augen schließen,
Ich trau mir's zu.
Ich seh im Traum ein schlimmes Pflänzlein sprießen,
Und das bist du.

Denk dir, ich hör des Pflänzleins Atem singen,
Ganz leis und fein.
Dies Liedlein darf mir nicht umsonst verklingen,
Drum hauch ichs ein.

Kannst du ein wohlgemeintes Wort vertragen?
Ich muß, vergib.
Ich will dirs einmal deutsch und deutlich sagen:
Wer hat dich lieb?

Rezension I Buchbestellung IV02 © LYRIKwelt