Wie mit Gabeln von Michail Sostschenko, 2004, Andiamo-Verlag

Michail Sostschenko

Wasserspiele
(aus: Wie mit Gabeln aufs Wasser geschrieben, 2004, Andiamo-Verlag - Übertragung Thomas Reschke)

Die Technik hat bei uns eine sehr große Höhe erschritten.
Die technischen Errungenschaften können das Publikum nicht mehr verwundern.
Es kommt jedoch gelegentlich vor, dass bestimmte Tatsachen durch ihre Größe Eindruck machen. Und sie machen Eindruck, weil sie so unerwartet kommen. Kurzum, jüngst hat sich Folgendes zugetragen.
Ein Moskauer Filmmann kam in dienstlichen Angelegenheiten nach Leningrad.
Er stieg im Hotel "Europa" ab.
Ein schönes, gemütliches Zimmer. Zwei Betten. Eine Badewanne. Teppiche. Bilder. All das machte unsern Ankömmling sozusagen geneigt, Menschen um sich zu sehen und die Zeit angenehm zu verbringen. Es besuchten ihn denn auch Freunde und Bekannte.
Und wie das so ist, einige seiner Freunde nahmen erst mal ein Bad. Schließlich hausen viele Menschen in Wohnungen ohne Badezimmer. Ins öffentliche Bad aber geht nicht jeder gern, und so gerät diese Alltagsprozedur bisweilen in Vergessenheit. Da nimmt man die günstige Gelegenheit wahr:
Man kommt zum Freund, schwatzt, philosophiert ein bisschen und badet dann. Zumal es hier heißes Wasser gibt. Und ein staatliches Laken. Darum wird es von vielen gutgeheißen, zugereiste Freunde zu haben.
Kurzum, nach fünf Tagen war unser zugereister Moskauer dieser unbeugsamen Linie seiner Freunde schon ein wenig überdrüssig. Aber natürlich nahm er sich bis zum letzten Moment der Katastrophe zusammen.

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