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Wasserspiele
(aus: Wie mit Gabeln
aufs Wasser geschrieben, 2004, Andiamo-Verlag
- Übertragung Thomas Reschke)
Die Technik hat bei uns eine sehr
große Höhe erschritten.
Die technischen Errungenschaften können das Publikum nicht mehr verwundern.
Es kommt jedoch gelegentlich vor, dass bestimmte Tatsachen durch ihre Größe
Eindruck machen. Und sie machen Eindruck, weil sie so unerwartet kommen. Kurzum,
jüngst hat sich Folgendes zugetragen.
Ein Moskauer Filmmann kam in dienstlichen Angelegenheiten nach Leningrad.
Er stieg im Hotel "Europa" ab.
Ein schönes, gemütliches Zimmer. Zwei Betten. Eine Badewanne. Teppiche.
Bilder. All das machte unsern Ankömmling sozusagen geneigt, Menschen um sich zu
sehen und die Zeit angenehm zu verbringen. Es besuchten ihn denn auch Freunde
und Bekannte.
Und wie das so ist, einige seiner Freunde nahmen erst mal ein Bad. Schließlich
hausen viele Menschen in Wohnungen ohne Badezimmer. Ins öffentliche Bad aber
geht nicht jeder gern, und so gerät diese Alltagsprozedur bisweilen in
Vergessenheit. Da nimmt man die günstige Gelegenheit wahr:
Man kommt zum Freund, schwatzt, philosophiert ein bisschen und badet dann. Zumal
es hier heißes Wasser gibt. Und ein staatliches Laken. Darum wird es von vielen
gutgeheißen, zugereiste Freunde zu haben.
Kurzum, nach fünf Tagen war unser zugereister Moskauer dieser unbeugsamen Linie
seiner Freunde schon ein wenig überdrüssig. Aber natürlich nahm er sich bis
zum letzten Moment der Katastrophe zusammen.
Rezension I Buchbestellung I home III04 LYRIKwelt © Andiamo-Verlag