Versuch über Kleist von Adam Soboczynski, 2006, Matthes&Seitz

Adam Soboczynski

Versuch über Kleist
(Leseprobe aus. Versuch über Kleist, Heinrich von Kleist und die Kunst des Geheimnisses um 1800, 2006, Matthes&Seitz)

Kleist belässt es nicht bei der Austreibung der kosmologischen Referenz des arcanen. Vielmehr setzt er sich mit einer dialektischen Entwicklung des Geheimnisses auseinander, wie sie uns heute im Rückblick klar vor Augen liegt. Sie war folgenreich: Denn längst sind wir wieder Auratisierungs-Weltmeister in einer durchrationalisiert-modernen Welt, von der Max Weber behauptete, sie sei so gänzlich entzaubert. Im Schatten des aufklärerisch-demokratischen Lichts, welches die alten Herrschafts- und Religionsarkana rigoros verbannte, begann die Moderne fetischistische Ersatzkulte bereitzustellen, die uns vielleicht stärker prägen als jemals zuvor: die zirkulierende Warenwelt, der wir verfallen; die Mode, der wir hinterher laufen; die massenmedialen Idole, die durch die Informationskanäle in uns eindringen...

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