Barbara Siwik

Scala Contarini del bovolo

In Glitzerwerk wühlende Hände,
getrieben vom Wunsch nach Besitz,
erwerben gefälligen Tand,
der schon bald vergessen verstaubt.

Nur wenige nehmen sich Zeit,
Venedigs Schätze zu heben,
die in der Verborgenheit sich
die zeitlose Schönheit bewahrt.

Ich weiß ein Marmorjuwel,
versteckt in winzigem Hofe,
erreichbar nur durch ein Gäßchen,
das jedermann leicht übersieht.

Ein halbes Jahrtausend schon strebt
hinauf in schwindelnde Höhe
die Treppe. Ein Contarini
verschönte seinen Palast ...

Sanft winden sich Säulen und Bögen,
aus weißem Marmor gefügt,
dem Blau des Himmels entgegen
in vollendeter Harmonie.

Wie Ränge in einem Theater
erheben sich mit dem Turm
die Loggien: Säulen und Bögen
ein Traum aus dem alten Byzanz.

Entlang der steinernen Wendel
erkennt das forschende Auge
in den Fresken an brüchiger Wand
die Pracht vergangener Zeiten.

Und vom Altan schweift der Blick
hin über die Dächer Venedigs:
"San Marco" und "...della Salute"
grüßen in stolzem Glanz.

Errichtet zur Zier eines Hauses,
das längst die Bedeutung verlor,
rühmt das Bauwerk einzig den Meister,
dem solche Vollendung gelang.

"il bovolo" - kleine Schnecke -
deinen Namen trägt das Juwel,
das als Krönung seiner Arbeit
ein Steinmetz Conti schuf.


(April 2000 in Venedig)

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