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Glasauge
(Leseprobe aus: Glasauge,
Roman, 2007, Tropen-Verlag
- Übertragung Elina Kritzokat)
Dies ist mein letzter Tag an der Uni, die letzte Stunde des letzten Tages. Schräge Lichtsäulen fallen in den staubigen Hörsaal, in der Luft schweben Tausende flimmernder Partikel. Der erste grelle und scheinbar warme Frühlingstag schlägt wie eine Axt gegen die Fensterscheiben, die vom Winterregen streifig geleckt, vom nassen Schnee matt geworden sind. Das Licht ist so gleißend und durchdringend, dass man die Hitze schon zu spüren meint, doch wenn man hinausgeht, kriecht einem die Kälte in die Knochen.
Der Dramaturg, im ganzen Land bekannt, fuchtelt
mit den Händen in der Luft und donnert los.
Ihr müsst euch das so vorstellen: Fernsehen wird nicht einfach in eine Richtung
aufgenommen. Nicht nur ihr seht den Fernseher, sondern der Fernseher sieht auch
euch; er ist ein riesiges Auge, ein Glasauge in der Ecke des Wohnzimmers. Und
von dort aus, in diesem von Menschen bewohnten Raum, schaut er sich um und saugt
alles, was geschieht, in sich hinein, holt es sich direkt von euch. Und nach
diesem Prinzip, einzig und allein nach diesem Prinzip, schreibt man Drehbücher.
Glasauge, notiere ich auf meinem karierten Block.
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