Ein Abend im Club
(aus: Das Venus-Spiel, 20002, Beck)
Ich hatte keinerlei Reaktion, keine Mattigkeit, kein Fieber. Winkle rief
am nächsten Morgen an und am folgenden Morgen und am dritten Morgen. Ich hatte nichts zu
berichten, weder Gutes noch Schlechtes.
«Doktor, wie wär`s, wenn ich Sie anrufe, wenn das, was passieren soll, passiert, okay
?»
«Gewiß, Ben, wenn Ihnen das lieber ist.»
Er rief trotzdem jeden Morgen an.
«Vielleicht wirkt es nicht bei jedem», sagte ich.
«Da wären Sie der erste. Etwas ist bei jedem passiert.»
Am Abend des siebenten Tages ging ich dann in meinen Club, um an der speziellen
feierlichen Mitgliederversammlung teilzunehmen, die einmal im Monat stattfand. Diesmal war
sie wirklich speziell. Wir feierten den ersten Jahrestag der Zulassung von Frauen im Club
nach einhundertfünfzig Jahren seines Bestehens. Der Kampf war erbittert gewesen. Bis
dahin hatte man im Club nicht einmal beim Mittagessen weibliche Gäste toleriert. Die
ältesten Mitglieder sahen daran nichts Anstößiges. Es verhalf ihnen vielmehr zu einem
ihrer wichtigsten Argumente gegen Frauen. Schrille weibliche Stimmen, sagten sie, würden
Mitglieder stören, die in den tiefen Ledersesseln ihren Nachmittagsschlaf hielten.
Als der Kampf um die Frauen ausgestanden war, sollte das erste neue Mitglied, so beschlossen wir, die Frau des Gouverneurs sein, die First Lady des Bundesstaates. Der Gouverneur, selbst Mitglied, nominierte sie, und da ich mich für die Sache stark engagiert hatte, wurde mir die Ehre zuteil, zu sekundieren. Bei der Versammlung an diesem Abend saß sie mir sogar am Tisch gegenüber, zusammen mit dem Gouverneur, dem gegenwärtigen Clubpräsidenten und zwei Mitgliedern des Zulassungskomitees. Der Gouverneur war genau der Richtige für seinen Job: volltönende Stimme, widerspenstiges Haar, Osterinselkinn, Indianerhäuptlingsnase. Die Frau des Gouverneurs war eine recht attraktive Frau mittleren Alters.
Allerdings nicht so attraktiv wie die Dame zu meiner Linken, die hellgrüne Augen hatte, kurzes, schwarzgelocktes Haar und einen makellosen blassen Teint mit einem Farbfleck auf jedem Wangenknochen.
Der Präsident erzählte von dem Streit vor zwanzig Jahren, als es darum
gegangen war, ein Georgia-O`Keefe-Bild aus der Sammlung des Clubs zu verkaufen, um eine
Beitragserhöhung zu vermeiden. Der Streit war genauso bissig gewesen wie der um die
Frauenfrage. «Vielen Mitgliedern war es ziemlich ans Herz gewachsen.»
«War es eines ihrer Gemälde, die das weibliche Genital darstellen ?» fragte die Frau
des Gouverneurs.
«Ja, das war es.»
«Vermissen Sie es?»
«Ja, eigentlich schon.»
«Nun, jetzt haben Sie ja lauter echte hier.»
«Ja, das stimmt», sagte der Präsident und wurde rot.
«Sie müssen wissen», flüsterte ich der Dame zu meiner Linken zu, «ich habe in der
Herrentoilette meinen Hosenschlitz offengelassen. Ich mache ihn jetzt zu. Ich wollte nur,
daß Sie wissen, was ich tue.»
«Lassen Sie nur», flüsterte sie zurück. «Ich habe kein Höschen an. Mir gefällt die
Symmetrie.»
«Es gab eine Fraktion», sagte der Präsident, «die wollte statt dessen unseren
Remington-Cowboy verkaufen.»
«War das aus Versehen, das mit dem Höschen ?» flüsterte ich, und sie lächelte.
«Bis zu der Debatte hatte ich das Bild gar nicht verstanden», sagte der Gouverneur.
«Wahrscheinlich war die Farbe runter», sagte seine Frau. Die hübsche Frau preßte ihr
Bein gegen meines, und plötzlich begann mein Penis, dicker und länger zu werden, und
zwar nicht wie üblich an der Innenseite des Schenkels entlang, sondern leicht pulsierend,
wobei er sich durch die Öffnung in meinen Boxershorts hoch und aus meiner Smokinghose
herausarbeitete.
«Geht`s Ihnen gut?» fragte sie.
»Sehe ich komisch aus ?»
«Ein bißchen.»
Er wandte sich nach links, wobei er leicht pulsierend weiterwuchs. Er schien seinen Weg zu
kennen, wie ein Marschflugkörper mit Hitzesensor. Er lag auf ihrem Schenkel, drückte
dagegen. Sie blickte rasch auf meine Hände, dann auf die Hände des Mannes zu ihrer
Linken. Alle waren gut zu sehen.
«Da ist jemand unter dem Tisch», flüsterte sie wie angestochen, und sie war im Begriff,
ihren Stuhl zurückzustoßen und aufzuspringen.
Ich legte meine Hand auf ihre und hielt sie fest. Die Frau des Gouverneurs bemerkte es und
lächelte.
«Das bin ich», flüsterte ich.
«Sie!»
«Erschrecken Sie nicht.»
«Ist das ein Trick ?»
«Nein, das bin wirklich ich.»
«Es bewegt sich.»
«Ich weiß.»
Vorsichtig langte sie mit ihrer freien Hand unter den Tisch und betastete ihn von der
Spitze bis zur Wurzel.
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