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Der eingeschneite Hund
(Leseprobe aus: Der eingeschneite Hund,
Seite 8-9, 2001, Schöffling
& Co.)
Die Dorffrauen holten ihr Bestelltes ab, und die Ladenbesitzerin schrieb es in ein kleines Schulheft, ich bezahlte bar und kam mir sehr reich vor, das genierte mich ein wenig. Später, als das Dorf unsere Sippe akzeptierte, durfte auch meine Mutter anschreiben lassen, ich schrieb auch an, meine Schokoladenstengeli, Suguspackungen und Ovosport, ab und zu auch eine Schachtel Pralinen, italienische, unglaublich schlechte Schokolade, aber eine wunderbare Verpackung, rosarote Schleife, goldenes Stanniolpapier mit Papierspitzen hüllte die kleinen, ausgeschwitzten Schokobällchen ein, und wenn ich die Pralinen fast alle gegessen hatte, füllte ich in die leeren Verpackungspapiere Steinchen und verschenkte die Schachtel unter geschworener Verschwiegenheit meinen Cousinen und Cousins.
Nach der monatlichen Abrechnung flog alles auf, natürlich bekam ich kein schlechtes Gewissen, schliesslich war ich ein Kind und verstand nichts von Wirtschaft, nur etwas von ungestillten Süssigkeitsbedürfnissen, meine Mutter bezahlte wieder bar, und ich musste mit meinem eigenen Sackgeld auskommen.
Rezension I Buchbestellung I home IV07 LYRIKwelt © Schöffling/A.S.