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Karlas Versuch, die Welt zu verbessern
(Leseprobe aus: Karlas Versuch, die Welt zu verbessern, Roman, 2008,
Bertelsmann).
Dr. Karla Schlicht entfernte die Grashalme
aus den Rädern
und dachte daran, dass »Omakarre«, wie ihre Tochter Rosalie
den Büchertrolley wegen seines Aussehens nannte, bald auf
ganz neue Weise zutreffen würde.
Sie drückte den Rücken durch. Am Vormittag war der
Atem noch weiß aus ihrem Mund gequollen, und sie hatte
trotz Parka am Verkaufsstand gefroren. Die Meteorologen
sprachen von einer Jahrhundertverspätung, aber heute endlich,
Anfang Mai, leuchtete der Tiergarten in der Sonne.
Der Wind trug den Geruch von Gebratenem heran. Am
Rand der Liegewiese stand eine Gruppe braunhäutiger
Frauen mit weißen Kopftüchern um einen Grill, ihre Kinder
jagten sich mit abgerissenen Zweigen durch die Büsche.
Ein Knirps stolperte hinter einem grün-gelb gepunkteten Ball
durch das Gras und lachte.
Vor ihr auf dem Weg gurrte und balzte ein Täuberich mit
geblähter Brust vor zwei Tauben, die geschäftig pickten und
davonflatterten, als ein Hubschrauber mit glitzernden Rotorblättern
in geringer Höhe über die Wipfel dröhnte. Die Maschine
verschwand in einem Bogen hinter dem Reichstag, das
Zwitschern der Vögel lebte wieder auf.
Auf dem Asphalt des Hauptwegs kam sie leichter vorwärts,
und bald schimmerten die Stelen des Holocaust-Denkmals
zwischen dem noch durchsichtigen Knospengrün der Bäume.
Wenn sie sich beeilte, schaffte sie den 100er Bus.
Plötzlich brachen Polizisten in Kampfuniform mit Krachen
und Splittern durch das Unterholz, spannten vor ihrer Nase
gelb-schwarzes Absperrband über den Weg und brüllten
aufgeregt in ihre Sprechfunkgeräte. Ein Beamter, der ihren
konsternierten Blick bemerkte, rief: »Dös is jetz g’sperrt dahier.
« Seine Beine waren mit Schienen gepanzert, die Schultern
breit gepolstert, und auf seinem schwarzen Helm schwankte
eine Antenne.
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