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Farbe
(Nofretete, 14. Jh. v. Chr.)
(Leseprobe aus: Postkarte
für Nofretete,
Gedichte, 2003, Zu Klampen/Edition
Postskriptum, Hrsg. von Heinz
Kattner)
Mit den Augen üben wir, einander
anzusehen.
Mein Blick ertastet das Eisenoxyd ihrer Lippen,
legt sich auf das schwere Kupferblau, wie ein Kopf
sich auf eine Wolke legt, die kupferblau ist, die
sich kupferblau abregnen, sich entladen wird
in Blitzen, die aus einer Wolke kommen und
in eine Wolke wieder zurückgehen, die
wir sehen können am Himmel über uns,
wenn sie Regen ausschüttet wie eine überzählige
Farbe, wie schwarzes Wolkengewicht, das seine Schwere
hergibt für ein mildes sommerliches Gelb,
Butterblumengelb, Narzissengelb, flüchtig
wie ein flüchtiger Augenblick, wie
das Schwefelarsen hinter dem Rot
ihrer Wangen:
(das Goldgelb und das Schwefelarsen,
aber vor allem das Schwefelarsen,
"Schwefelarsen, Schwefelarsen", die Vögel
rufen es von den Dächern, den Pappdächern
der Geräteschuppen und den Ziegeldächern und den
schwarzen Dächern).
Mit den Augen üben wir, einander anzusehen.
Mit den Ohren hören wir einander zu.
Mit dem Mund schweigen wir.
(Das einfache Schwarz,
und das Holzkohleschwarz ihres Auges).
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