Andreas Louis Seyerlein

Karusell

Heut Nacht hab ich einen schönen Traum gehabt, ich hab geträumt vom Wald, von Affen, Katzen, von Lemuren. Kühle Luft dort nahe den Stämmen, steinerne Halme bis unter den Himmel, uraltes Zeug. Aber die Affen, - durchblutet, mächtige Tiere, von Kopf bis Fuß schwarzweiß in Streifen. Auch die Ohren, schwarz und weiß. Sehr kleine Ohren, Ohren aus Mensch. Auf einer Lichtung drehte sich eine Kugel dicht über dem Boden, rasend schnell, elektrisch beleuchtet, warmes, angenehmes Licht. Sand flog auf an Ort und Stelle. Und Laub. Da war noch Musik, eine Orgel, - direkt aus dem Boden, Walzermusik. Auch Stimmen von dort, gedämpfte Stimmen. Nicht weit - etwas loses Papier im Gras. Und leere Flaschen. Die Luft stank nach Schnaps, nach Urin und diesen Dingen. Im Schatten einer kräftigen Buche lagen ein paar Bücher herum, ein Lowry, etwas Duras, etwas Fitzgerald, auch von Joyce ein paar Seiten, von O’Neill. Plötzlich Dämmerung, Zwielicht. Ich erinnere mich an das Haupt der Highsmith, das aus dem Boden ragte. Das war ein sehr schmutziger Kopf, ein Kopf, der lachte. Er sah mich an und sagte, heisere Stimme, - Malcolm hat wieder ein Manuskript verloren -. Dann schwieg er. Dann aber kühl, - Ich wünsche eine Bestellung aufzugeben -.
 
(2003)

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