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Blaubarts
Kinder
(Leseprobe aus:
Blaubarts Kinder,
Roman, 2011,
Edition Zwei im
Wieser-Verlag -
Übertragung Cornelius Hell).
Danke, Großmutter, dass ihr mich aufgenommen habt. Danke, Papa. Danke, ihr guten Nachbarn, dass ihr es zustande gebracht habt, mich zu besichtigen wie irgendein Ferkel mit zwei Köpfen, ein Glück, dass ihr mich nicht abgetapscht und gekneift habt, denn dann hätte ich gesagt, dass ich an einer gefährlichen Krankheit leide, und wenn ihr mich berührt, werdet ihr euch anstecken, ihr werdet von roten fünfeckigen Flecken übersät sein, die schrecklich jucken. Das habe ich nicht gesagt, denn niemand hörte mir zu. Ringsum plapperten sie, und nur litauisch, nicht zu fassen, und die Schwester, auch die gab keine Ruhe, schleppte mich in den Garten und nötigte mich, auf einen Apfelbaum zu klettern – schau, von dort ist die ganze Stadt zu sehen. „Geh doch scheißen!“, sagte ich zu ihr, das waren meine ersten litauischen Worte in Mamas Heimat. Die Schwester blähte sich auf und sagte: „Du Barbar!“ und ließ mich allein zurück im Winkel des Zimmers beim Tisch, der mit Tellern voll Sülze und Wurstmagen überhäuft war, wie hinter Barrikaden, die vor dem Kannibalen aus Rostow schützen sollten.
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