Shalom meine Liebe
(Leseprobe aus: Shalom meine Liebe,
dtv 20173)
Sie hörte den
Schlüssel in der Wohnungstür. Ron trat ins Zimmer. Er überreichte Ingrid einen Strauß
Rosen, den er im Bahnhof besorgt hatte. Sie wollte etwas sagen, doch Ron hielt ihr mit
seiner kalten Hand sanft den Mund zu. Langsam löste er seinen Griff um sogleich
ihre Lippen mit einem Kuß erneut zu versiegeln. Ingrid wollte sich losmachen, dem
Burschen gehörig die Leviten lesen. Doch sie spürte, wie Ron sich an sie klammerte. Er
brauchte sie. Ingrid strich über seine widerspenstigen Haare, fuhr über seine
fledermausartig abstehenden Ohren ujnd drückte den Unruhigen an sich.
Ingrid merkte, wie Rons Anspannung nachließ. Sie genoß seinen Kuß, seine
Zärtlichkeiten. Ron wurde sicherer. Er spielte mit ihren Brüsten. Ingrid spürte wie ihr
Leib heiß und feucht wurde. Rons Zunge tanzte in ihrem Mund. Er bog ihren Kopf zurück.
Mit einem Ruck machte sich Ingrid los
»Erst läßt du mich kochen, dann hängen.«
Rons Gesicht war gerötet, die Frisur zerzaust. Doch plötzlich blitzte der Schalk in
seinen Augen auf. Er blickte mit gespielt vorwurfsvoller Mine an sich herunter. »Genau
wie du!«
Ingrid lacht auf. Sie bemühte sich, wieder eine ernste Mine aufzusetzen. Sie durfte Ron
nicht alles durchgehen lassen: »Wo bist du bis jetzt rumgehangen?«
»Arbeit! Nichts als Arbeit!«.
»Jobs du seit neuestem als Diskjockey?«
Ron schüttelte grinsend den Kopf. »Nein, nein ich mußte meine Mischpoche kurz zu einer
Hochzeit begleiten...«
»Warum hast Du mich nicht mitgenommen?«
»Weil ich so schnell wie möglich wieder verschwinden wollte.«
Ingrid ahnte, daß Ron ihr etwas verschwieg, deshalb beharrte sie auf ihrer Frage.
»Warum?«
»Was willst du hören?«
»Die Wahrheit!«
»Es war eine jüdische Hochzeit...«
»Und da habe ich als Schickse nichts zu suchen?!«
Das Schimpfwort brachte Ron erneut in Harnisch! »Scheiße! Unsinn! Natürlich hättest du
mitkommen können!«
»Ohne davon zu wissen.«
»Meine Mutter ist Schuld!«
»Nein, du!«
Ron ließ sich von Ingrids Einwurf nicht beirren. Er lief schreiend auf und ab. »Edith
war Christin! Sie selbst ist zum Judentum übergetreten. Jetzt führt sie sich als
Oberjüdin auf! Als Großinquisitatorin! Ich hab die Schnauze voll davon!«
»Warum hast du mich dann nicht mitgenommen!«
»Weil ich ein Feigling bin.«
Rons augenblickliche Ehrlichkeit ließ Ingrids Zorn verfliegen. Zärtlichkeit für den
Geliebten erfüllte sie. Sie umarmte Ron.
Rezension I Buchbestellung IV01 LYRIKwelt © dtv 20173