Mit der Schreibmaschine meiner Mutter von Claudia Edith Schwarz, 2017, Pro BusinessClaudia Edith Schwarz

Hascherl
(Leseprobe aus: Mit der Schreibmaschine meiner Mutter, Lyrik und Prosa, 2017, Pro Business).

Hallo, ich heiße Felicitas.

An einem windigen Novembernachmittag hatte
mich Ingrid entdeckt; ich hatte mich an eine
schützende Hausmauer gekauert. Mein Körper
war zum Skelett abgemagert, und ich wog nur
noch soviel wie drei Schmetterlinge. Damals
war ich acht Wochen alt und lebte in Kälte und
Angst und ohne Schutz meiner Mutter.

Ich wurde zum Tierarzt gebracht. Man wollte
mich einschläfern, weil ich so krank aussah.
Doch so kam es nicht; sich meiner erbarmend,
erhielt ich ein Heim aus Karton und Decken
mit einer Wärmflasche und lebte in einem
grünen Zelt. Auch wurde eine kleine Kiste mit
Sand in meine Nähe gestellt, ich wußte zuerst
aber nicht, für was das war. Zum Spielen hatte
ich keine Lust. Vor allem aber bekam ich was
zu essen. Ich schlug mir den Bauch so voll, so
daß ich, wenn ich mich hingesetzt hatte, von
hinten ausschaute wie eine Birne.

Nach zwei Tagen begann ich zu schnurren,
weil es mir schon besser ging. Auch das mit
der kleinen Sandkiste, dem Klo, hatte ich bald
begriffen, war ja nicht so schwer. Ich fraß mir
in drei Wochen den Ranzen so voll, daß ich
bald das Doppelte meines Gewichts hatte.

Dann kam ich zu Bernadette. Ich wußte gleich,
daß dies jetzt mein richtiges Zuhause war, und
versteckte mich gar nicht erst. Nun mußte ich
gehen lernen, denn bis jetzt kannte ich nur
das geduckte Dahinkrabbeln von früher, als
ich so schwach war. „Käptn Einauge“ hatte
eine Frau manchmal zu mir gesagt, aber ich
sehe auch mit einem Auge ausgezeichnet.

Ich kann mich jetzt schon allein putzen und
spiel meistens mit einem Holzstückchen, das
sogar rollt, wenn man es anschupft.

Jetzt bin ich glücklich – endlich.
Und heiße jetzt auch so: Felicitas.

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