Held.Lady.Mops von Birgit Schwaner, 2010, Klever

Birgit Schwaner

Held. Lady. Mops
(Leseprobe aus: Held. Lady. Mops, Improvisation, 2010, Klever Verlag).

Recently oder Bisher geschah: Dem geretteten Beuchel versagen die Beine, er knickt ein, fällt. Slat will ihm aufhelfen, strauchelt, fällt auch. Sofort hilfreiches Gewimmel: Decken werden gebracht, und Whiskey, aus diversen silbernen Flachmännern, wird immedietly eingeflößt, wichtiger Auftritt des hageren Schiffsarztes. Jetzt Patricia: niederknieend, Beuchel umarmend, Slat betrachtend, sinnierender Blick. Schnitt. Jetzt P., sich mit dem Kapitän beratend, ernst. Und Schnitt. Slat wird in die erste Klasse gebracht. Schnitt. Jetzt Beuchel, brillenlos, zitternd, brabbelt Unverständliches, schlägt mit irrem Blick auf Patricia ein, dabei herzzerreißendes Heulen. Rundum mitleidige Gesichter, vor allem das einer schwarzen Nonne. Schnitt. P., in Begleitung des Missionars, besucht Slat in seiner Kabine (Bullauge: Mittelmeer, silbergrau). Sie streicht dem Schlafenden übers Haar. Legt ein Ticket 1. Klasse und ein Billet auf den Nachttisch. Ein Steward klopft, Herrenkleidung im Arm. Unterm Bett eine Reisetasche (Leder, abgenutzt) offen für vieles – zu entnehmen, hineinzustopfen.

Klar Schiff voraus?

... und wir schalten um zum Souper, zu der kleinen Gesellschaft, die man observiert – offensichtlich heimlich, versteht sich. Am Tisch nächst der Schwingtür zur Bar zückt Miss Henriette Miller ein Fernglas – Miss Miller (grauer Turban mit Fransen)? – Aus London? Sind wir an ihr interessiert? Hm. Hm. (Hm, will sagen: Ojeoje ... nicht, dass hier das Personal langsam außer Kontrolle gerät! Wir leben doch nicht im richtigen Leben!)

Nachtblau, Blondhaar darüber schwebend. Blumengleich schwebend ihr blasses Gesicht. Um den Stängel ein schwarzes Halsband – in Gedenken an Puck, den Versunkenen. Slat, im geliehnen Anzug, macht Augen. Nicken am Nebentisch (Kennerblicke, männlich wie weiblich, rutschen eine Etage tiefer): ach, die formgerundete Büste!

Stirnrunzeln für den Missionar. Stirnrunzeln für einen Mann der Kirche? Aber da ist noch seine Haut. Hören Sie das „t“ explodiern, wiederholt-t-t, diesen Schlag? Hauthauthaut, von den Nebentischen, hauthauthaut (wie das pocht an den Schläfen). Haut. Haut. Haut.

Seine ist anders, nickt es, trommelts, in so einer Haut wird einer selten liegend getauft – nein, so einer wird missioniert, so einer ahmt nach, missioniert ebenfalls?  Bravo, bravissimo, nickt es langsam. Nickt es störrisch, feindselig, auch nicht. Wortlos manche Dame, Lider gesenkt. Draußen, die Wellen wiegen im Takt. Keine Frage, der Mann ist schwarz. Keine Frage, der Mann ist schön. Keine Frage, sie täuschen sich alle. Keine Frage heißt keine Antwort.

Sie sehen und sehen nicht:

Haut wie Milchschokolade (der Gottesmann)

Haut wie Vanilleeis (P.)

Haut wie Himbeersoufflée (von Beuchel)

Haut wie Crème Caramel (Fußgänger Slat)

eins, zwei, drei Häute wie Fensterglas, Gelatine, Slibowitz, Quallen (KratPlatSchlat: durchlässig bis in die Zehenspitzen).

Und was bedeutet das? Eigentlich nichts.

Aber denen am Nebentisch sperrt jetzt etwas die Ohren auf. Sachte, melodisch, sanft schleifend und glatt dreht sich ein Schlüssel im Schloss. Etwas hinterlistig, dies Einrasten, klick macht es, klick, klick, als klopfe wer leise ans Fenster – doch nicht ans x-beliebige Guckloch, nein, ans noble Hausaug in Hietzing in Wien, klick, klick, klingt es schönbrunnergelb, eine Farbe wie Eierlikör, leicht gespiegelt, ja, angespielt, Nasenstüber, bloß nicht verschnupft, dieser herrliche Schwarze kennt seine Landsleute, glauben Sie mir, hält den Aristo-Nasal im Zaum, war ja bloß als Hinweis gedacht, und zieht seinen Charme aus dem Hut.

Hut? Gut, o.k. Und: Volumen? Ein Liter vielleicht. Also Charme Größenordnung Zylinder. (...)

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