Erbonkel leben
gefährlich
(Aus: Roter Klee und andere
Kriminalgeschichten, 2002, Verlag Ulmer Manuskripte)
"Ja, hallo Luise, ich bin's, Werner. Hör mal, ich, äh, bin im Moment etwas knapp. Kannst du mir Geld leihen? - Nein, nicht viel, nur fünftausend Mark. - Was sagst du? Ob ich verrückt bin? Wie kommst du denn auf die absurde Idee? Ich habe doch bloß mal gefragt. - Nun sei nicht gleich eingeschnappt. Wenn du das Geld nicht hast, muss ich mir eben etwas anderes überlegen. - Was meinst du? Ich soll meinen Onkel fragen? Mann, du hast ja keine Ahnung, was das für ein Geizkragen ist. Wirklich traurig, dass alte Leute so an ihrem Geld hängen! Dabei ist er schon über sechzig. Ich werde wohl dafür sorgen müssen, dass ich sein Vermögen erbe, denn freiwillig rückt er es nicht raus. - Wie? Nein, natürlich werde ich ihn nicht ermorden. Ich bin doch kein Killer! Außerdem ist die Aufklärungsquote bei Mord abschreckend hoch. Ich habe mich da gründlich informiert! Nein, nein. Ein Unfall muss es sein, unbedingt. Ich weiß nur noch nicht wie. Mach's gut und bis bald. Tschüß, Luise."
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