Justus Georg Schottelius

Die VersKunst
(Zitat aus dem 1. Kapitel: Teutsche Vers- und Reimkunst, 1656).

1. ist eine Wissenschafft 2. recht und gewißmessiglich 3. die Verse oder Reime zu machen.

1. Das Wort Verßkunst / vermög der Teutschen Doppelung / zeiget an eine Kunstmessige gegründete Kundigkeit / die Verse oder Reime in Teutscher Sprache / nach Art der rechten Kunst / zu machen; Man kan auch wol und vernemlich Reimkunst sagen / welches Wort auch von anderen also beliebet und behalten worden. Dieweil aber das Reimen ein gar geringes / und in betracht deß überalbekanten Pöbelgebrauchs das allergeringschätzigste ist / So die Eigenschafft dieser Edelsten Kunst berühren mag / Auch weil viele dem eusserlichen geschwinden Anblicke nach / frühzeitig meinen / daß wenig Kunst in den Reimen bestehen künne / und deßwegen eine Unnoht were / zu erlernung deroselben / Bücher zuschreiben oder durch zulesen / zu dem / weil underschiedliche Arten Teutscher Verse seyn / und noch ferner sein künnen / ohne einige Reimung / als die Sechstinen / reine Echoen /Reimwetzeler / etc. Uber diß / weil in arte Poetica linguæ Germanicæ nicht allein von dem Reimen oder Reimung (denn dasselbe nur ein Stücklein ist / und ein sonderbares Capittel machet) wird gehandelt /sondern von der gantzen Poetischen Kunst / die dann hin und wieder nach aller menge / Lehr und erklärungen erfodert / ohn betracht deß Reimens / welches wie erwehnt / nur ein Hinterstücke deß Teutschen Verses ist: Als ist gefällig gewesen / das Wort Verskunst oder Verschkunst pro appellatione artis Poeticæ dißmal / und noch zur zeit / zugleich wir zu behalten. Vers ist zwar lateinisch / aber nunmehr / krafft des bekanten gebrauchs / Teutsches schlags und Stadtsrechts fähig geworden.

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