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Wie Reb
Froike die Welt rettete
(Leseprobe aus:
Wie Reb Froike die Welt rettete,
Erzählungen, 1998, Wallstein-Verlag).
Sie eilten durch Vorzimmer. Beamte
und Sekretärinnen, die sie am Vordringen hindern wollten, wurden zur Seite
geschoben. Und ehe sie sich versahen, befanden sie sich in einem geräumigen Büro,
in dem ein Ventilator surrte. An der Wand hing ein großes Kruzifix und das Bild
unseres Nationalhelden San Martin. Hinter einem gewaltigen Schreibtisch saß ein
Herr in blütenweißem Leinenanzug. Er blätterte in seinem Aktenstoß und
rauchte. Eine stille Insel, fernab vom Lärm der Straße, vom Karneval, von den
Flüchtlingsschiffen. Nach einer Weile unterbrach der Beamte seine Tätigkeit
und blickte ungehalten auf die vor ihm stehenden Besucher. Ein dickliches
Gesicht mit Schnurrbärtchen und Pomade im Haar. Ein süßlicher Geruch nach
Friseurladen ging von ihm aus. Am Finger der behaarten Rechten ein goldener
Siegelring. Im Gehirn vermutlich ein gefährliches Gemisch von Kastengeist,
Bigotterie, Halbbildung, Klassenneid und einer durch allerlei Ausreden vor sich
selbst beschönigten Bestechlichkeit. Im Herzen aber eine träge Gutmütigkeit
und das bemühte Bestreben, sich bei den Mitmenschen auf möglichst billige
Weise beliebt zu machen.
Abschätzig musterte er die Eindringlinge: die bäuerisch angezogene Frau mit
hellen Augen und gar nicht so übler Figur; den bärtigen Hebräer, der es nicht
einmal für nötig hielt, seinen Hut in der Amtsstube abzunehmen; womöglich
hatte er Läuse. Schon wieder diese aufdringlichen Juden; noch nicht einmal am
Karneval können sie einen in Ruhe lassen! Obwohl der gegenteilige Beweis kaum
hundert Schritt von ihm entfernt vor Anker lag, war er von der Allmacht Judas überzeugt.
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