PoliFem von Ulrich Schödlbauer, 2005, Edition Zeno

Ulrich Schödlbauer

PoliFem sat. 1-5
(Leseprobe aus: PoliFem, Gedichte, 2004, Edition Zeno)

Komm, setz dich ins Dunkel, Kind, mein blindes Auge
hat Platz für uns beide, wir reden im Schatten.
Kein Papagei nistet da, doch Vögel
fliegen davon, unscheinbare, ein Archaeopteryx leider
ist nicht darunter. Fortschritte meldet
das Unscheinbare zumeist, in der Summe
liegt der Gewinn. Herrschaft, mein Kind,
ist eine Summe. Wer sie einstreicht,
hat den Gewinn. Woraus? Der so fragt,
hat schon verloren oder ist fällig, kommen die Karten
neu auf den Tisch. Das Spiel ist einfach, es lautet:
Möglich ist alles. Wer die Regel beherrscht, ist nicht zu schlagen.
Er ist der Geschlagene. Vor ihm
weicht jeder zurück. Das gibt
ein Gefühl der Macht. Ein solcher kann einstecken.
»Das wohl. Aber es ist nicht dasselbe.«
»Nicht dasselbe? Wie das?«
»Es gibt keine Regel.«
»Das mag sein sein, aber es ist
schwer zu ertragen. Das ist die Regel.«

Rezension I Buchbestellung I home II05 LYRIKwelt © Edition Zeno