Organum Mortis von UlrichSchödlbauer, 2003, Edition Zeno

Ulrich Schödlbauer

Die wirklich wichtigen Dinge
(Leseprobe aus: Organum Mortis, Gedichte, 2003, Edition Zeno)

In meiner Sprache 
werden die wirklich wichtigen Dinge
nicht mehr verhandelt. Man plaudert in ihr
mit Kindern und Arbeitslosen. Schon die Putzfrau 
ist ihrer nicht mächtig. Das erleichtert den Umgang
mit der Kundschaft. 

Einige schreiben in ihr 
noch immer Bücher. Die Nüchternen wissen,
dass sie für Abhängige arbeiten,
deren Schreibtische von den Zentren
zu weit entfernt liegen. Missgünstige. Wer ihnen naht, der erfährt,
dass Worte kein Gewicht haben. 

Manche drücken in ihr 
Empfindungen aus. Das ist bedauerlich, aber 
nicht leicht zu ändern. So erfahren sie früh, 
dass für jedes Gefühl ein Entwerter bereitsteht, 
geisterhaft wie der Mond im Azur 
und ebenso schneidend. 

Allein dem Denkenden bietet sie
ein paar Vorteile. Es scheint, ihre Vorräte
sind schwer zu erschöpfen. Leicht geht
ein Leben dahin, bevor einer merkt,
alle Straßen münden in ein und denselben
Kreisel, keine hinaus. ›Lasciate ogni speranza.‹ 

Die wirklich wichtigen Dinge,
die das Sterben auf dem Planeten verändern,
gehen nicht in sie ein. Ein Denkmal der schwarzen Pest
weit nach ihrer Zeit, eine verbogene Metapher,
gefüllt mit Asche, im Feuer versprödet, begehbar, 
hingeworfen den kommenden Zeiten, den gehenden.

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