Verzweigungen
Verzweigungen im Inneren,
lassen einen Dschungel wachsen,
ein Chaos,
eine Reizüberflut.
Stränge,
Seile von schwindendem Grün
halten den Körper mit ihren Klauen
an der quetschenden Brust.
Krallen zerdrücken,
schlagen,
jagen die Existenz ins Nichts
nageln sie dort fest.
Zwingen das Leben in die Knie,
lassen den Irrsinn auferstehen,
die bittere Freude
während Skelette durch das Moor kriechen.
Die Morgensonne
lässt den seichten Sumpf schillern,
während zurückbleibende Hände,
nach einem Ast suchen,
einer Möglichkeit,
dem Strudel zu entgehen.
Doch sie sinken hinab
die knöchernen Hände,
hinab in die Ewigkeit,
in die schmerzende Stille.
Die Dunklen feiern das Versinken,
baden ihre Füße in der heilenden Erde.
Schaffen sich so
die ewige Schönheit und Allmacht.
Schwimmen im See des Schweigens,
tauchen durch den verschlossenen Mund.
Sie ziehen die Überbleibsel
aus der Tiefe empor,
basteln sich aus Gliedern
neue Gerippe.
Im Belieben der Zeit,
der passenden Gelegenheit.
Allmächtig,
herrschend,
entwerfen sie ein neues Muster,
die Reste erwachsen zu einem neuen Gefüge.
Sie nähen sich ihre Welt,
mit schwarzen Fäden,
verarbeiten ihre Opfer
zu einem ewig bunten Schal.
Die Fasern der Gefügigkeit,
des Zwanges,
passend untergebracht,
versehen mit goldenem Schweigen.
Die Götter
erwachen durch das feine Kunstwerk.
Ziehen rechts,
zerren links,
stricken weiter,
schneiden ab.
Eine neue Epoche beginnt,
eine glänzende Idee wird geboren.
Die einsamen Kreaturen versinken nicht,
sie nehmen sich der Götter an,
treten ein in die Welt des anderen Friedens,
schreiten durch das Tor der Unglaublichkeit,
laufen dem herrschenden Portal entgegen.
Der Stock der Hoffnungslosigkeit
stützt die zerbrechlichen Glieder
bei ihrem Wettlauf gegen den verlorenen Mut.
Sie werden Bewohner
des bestehenden Zerfalls.
Im Zuge der Zeit
wächst die bittere Einsicht,
dass Teilhaben an anderen Welt
verwehrt,
unmöglich wird.
Die Gleise dorthin
wurden still gelegt.
Nur die falsche Hülle der Illusion
Vermag über die lügende Schwelle zu treten.
Die Hölzer verriegelt,
gesichert durch ein schweres Schloss,
nur zu öffnen durch den Schlüssel
des ewigen Schweigens.
(10/2001)
Rezension I Buchbestellung IV02 © LYRIKwelt