Wolf Peter Schnetz

Frucht
(aus: Täglich ein Wunder, Gedichte aus 40 Jahren, 1959-1999, MZ, Buchverlag)

Jeder trägt n seiner Zeit
seine Furcht. Und er legt
die dunkle Fracht
auf die lichtbewegte Waage.
Tag für Tag, und alle Tage.
Bis der Balken schwebend innehält
und misst: die Furcht.

Rund und abgewogen
und genau bemessen
trage ich mein Teil
wie du, weil auch du
in deiner Zeit
gelebt hast, unvergessen,
und den lichtbewegten Balken
leicht bewegt hast, unser dunkles
Leid und Lied, unsre stille
Furcht und Frucht.

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