Martin Schmitt

Verborgene Landschaft

zeig mir den weg

zu deiner verborgenen landschaft

gib mir das losungswort

sag mir das geheimnis

lass mich dein meer sehen

und die schiffe darauf

auch wenn es kitschig ist

und nach sonnenuntergängen riecht

selbst wenn es dir peinlich sein sollte

nichts ist peinlich

was ist das

du bist doch keine fassade

in deiner brust schlagen

die glocken von kathedralen

und unter deinen fingerspitzen

wachsen gingkobäume

du bist kein altar

du bist ein urwald

lass mich hinter deine augen wandern

dort soll es eine weltkugel geben

die sich nicht wegdreht von mir

 

zeig mir den weg

zu deiner verborgenen landschaft

gib mir das losungswort

sag mir das geheimnis

ich werde eintreten

wie ein frischer luftzug

wie ein tropfen wasser

der auf einen grashalm fällt

wie ein wehen

das ein windrädchen dreht

 

du und ich

wir könnten leben

in den leuchtenden häusern der träume

wir könnten fabelhafte ufer bewohnen

wir könnten uns auf bescheidenen straßen

wie berührungen aufeinander zu bewegen

würden wir uns nur ein wenig auftun

um uns zu betrachten

wie freundliche landkarten

die auf ihre entdeckung warten


(2003)

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