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Abendlanddämmerung
(Leseprobe aus: Abendlanddämmerung, Gedichte, 2001,
Edition
Galrev).
Schreck laß nach!
Die Samen, las ich neulich,
sind die letzte Urbevölkerung
Europas. War uns das nur nie gewärtig,
weil man sie für Lappen hielt?
Mag sein, daß sie als solche
die letzten in größeren Gruppen
wandernden Autochthonen sind,
doch gewiß nicht die einzigen und somit
letzten Urviecher diesseits des Urals.
Zu denken wäre da an diverse Bergvölker,
an die Hochtalspezies & Gletschergnome
aller Himmelsrichtungen, archaische
Pfeifsprachkünstler, Überschalljodler,
Bruderblutstrinker und veritable Hexen,
gewissermaßen die Höhlenkinder
ihrer Staatsnationen, denen sie bei
Profilmangel als Charaktermasken
dienen und die konzertierte Gemeinschaft
begleiten auf ihren Teufelsgeigen.
Nein, so arm dran sind wir
noch nicht, daß ein paar tausend
Rentiertreiber das letzte lebende
Zeugnis eurasischer Herdbuchkultur
verkörpern als Ahnenerbe des Okzidents!
Erst wenn meine Kinder
begriffen haben, daß ihr fruchtloses
Privatleben dazu führt, eines grauen
Tages den letzten Schmidt, Schmitt,
Schmid, Schmitz, Smit oder Smith
am Rande des Chinesischen Friedhofs
von Bitterfeld begraben zu müssen,
werden unsere Seelenausschwärmen
und diese Letzten die Ersten sein
unter den Gespenstern der alten Welt...
Rezension I Buchbestellung I home III09 LYRIKwelt © Galrev Verlag