Georg Schmid

Im Gespräch mit einem Patheten

Eine Saufeder reißt das Blut aus diesem Herz, während

das Flattern der Flaggen, sie schlagen im Wind, mein Auge

streift. Weiß ist das Herz und Weiß die Farbe deines

Herrn, für den du schreist hier auf dem Feld.

Kein Schmerz tötet dich; nur der Wind in deinen Haaren

auf deiner Haut presst dir eine Zähre zwischen die

Zähne; eine Träne, wenn du da kniest, die Lanze

zwischen den Rippen und um deinen Atem ringst.

Wir, deine Geister, tragen letzte Gedanken zu deinem

Weib. Nebel steigen auf, und im diesigen Dämmern

des Diesseits verschwindet dein Leben im ersten Licht eines neuen Morgens.




Ich bin ich, der das Herz auf dem rechten Fleck

trägt. Auch wenn ein Schwert es durchbohrt, ist es noch

rein, denk ich an dich, Frau im Morgenwind, wenn du

gehst mit gelöstem Haar, und das Weiß deines Mantels

zieht dich nach vorne vorüber an mir.




Vorüber an dir kann ich nicht ziehen, wenn

du daliegst im Schmerz, und meine Liebe flüstert im letzten

Hauch, der sich dem Wind ergibt, bevor du zu

Boden sinkst, und in deinem Ohr den Tau

fühlst, der sich morgens im Grün des Grases wiegt, wenn

ich mit dir erwache. Dann küsse ich deine Augen, ehe die

Lider sich senken und die Zeit in einer Träne verrinnt.




Klopfender Regen platzt in das Dunkel.

Mit einem Tuch trockne ich mein Gesicht.


(2001)

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