In einen Käfig eingesperrt
in einen käfig eingesperrt
welch seltsames abenteuer
vergnügen und verwunderung
obliegt da das mahl des abends
der ketten so abhold geworden
in langwierigem müssiggang
grässlich verzehrtem gesichte
gleichgültig dargebracht wurde
verschlungen in eiliger hast
ergieng es dem verratenem
der dem sehnlichsten wunsch folgend
seiner seele tiefre gründe
gelegentlich zu durchforsten
in mannigfachem gebahren
folgendes stockend von sich gab
wie denn dass diese brust nicht barst
zornerfüllt in tausend flüche
als sich auf dieses haupt legte
des geschickes mühselge last
welch sonderbare bewandtniss
redlicher absicht zu schweigen
da die stunde doch gebietet
zu nehmen ein schwert in die hand
fordern der gerechtigkeit pfand
zerschlagen die unselge brut
so lassen im kampfe dein blut
so dir die pflicht doch gebietet
den weg den deinesgleichen gieng
tausendfach geführt zur schlachtbank
verfluchter was fürchtest du dich
so nimmer und nie zu gehen
vor schmerzen oder gar vor dem tod
da du doch jetzt auserwählt bist
mit blut zu schreiben was wahr ist
also denn wahr sei was blut ist
so schwelgte er hin immerfort
bis zur vorgerückten stunde
müdigkeit ihn übermannte
und mit letzter sanfter geste
das stahl der gitter berührte
leg dich hin und schlaf verfluchter
lass funkeln den strahl des gestirns
der morgen ist schmerzes woge
den zu fühlen dir fehlt der sinn
(1991)
Rezension I Buchbestellung III01 © LYRIKwelt