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Goethe
(Erzählung aus: Erde Farben Licht/Romantisieren, Kurzprosa, 1999,
Galrev Verlag)
Als er sich darüber klar wurde, daß er in der Stadt und ihrer Umgebung würde den
größten Teil seines Lebens zubringen müssen, suchte er sich einen Ort im Freien,
nahe am Fluß. Dort hatte ihm der Freund ein Haus geschenkt, von dem aus er die
Wiesen, den Nebel und die Illusion von Einsamkeit betrachten konnte. Wenn es
dämmerte, spielte er mit sich selbst ein Spiel, das darin bestand, daß er sich
alle Personen, mit denen er im Leben zu tun hatte, in Nebel aufgelöst als
mythologische Gestalten vorstellte. Vor allem verwandelte er die Frauen in
Flußnymphen und verlieh ihnen ein unklares reizendes Vermögen zur Güte, um die
er sie wiederum in seinen Versen bitten konnte, so wie in mythologischen Zeiten
die Fremdlinge das Recht hatten, im Namen der Götter um eine gute Aufnahme zu
bitten. Auf diese Weise verwandelte sich ihm die Nähe zur Ferne und blieb.
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