Friedrich Schlegel

Am Abend

Der schwarze Mantel will sich dichter falten,
die freundlichen Gespräche sind verschollen.
Wo allen Wesen tief Gesang entquollen,
da muß die stumme Einsamkeit nun walten.

Es darf den großen Flug das Herz entfalten
und Phantasie nicht mehr der Täuschung zollen.
Was farbig prangt, muß bald ins Dunkel rollen,
nur unsichtbares Licht kann nie veralten.

Willkommen, heilge Nacht, in deinen Schauern!
Es strahlt in dir des Lichtes Licht den Frommen,
führt ihn ins große All aus engen Mauern.

Er ist ins Innre der Natur gekommen
und kann um irdschen Glanz nun nicht mehr trauern,
weil schon die Binde ihm vom Haupt genommen.

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