Male von Sabine Schiffner, 2006, Zu Klampen

Sabine Schiffner

flundern
(Leseprobe aus: Male, Gedichte, 2006, Zu Klampen/Edition Postskriptum)

und von der plastiktüte aus dem kühlschrank
wo sie schon lagen 24 stunden oder auch weniger
wenn man die öffnet kommt ein hauch den
kann man seele nennen und sie
hat die form von weißem rauch
die küche könnt durchdrungen sein vom pochen wohl der herzchen
wenn sie zum waschbecken getragen werden
zuckend das flügelpaar der iris hornhaut die
kalter ostseeschleim nicht länger mehr bewimpert
der kiemenschnitt raus kommen schwimmblase und eier stach
in die afteröffnung brust vorsichtig hier das messer führen
die stachelige haut mit einem handschuh nur berühren
die innereien leber galle herz entfernen zurück bleibt
einzig und allein das augenpaar das immer noch nicht brach
das sind die nerven zum pochen nicht braucht
die flunder ihr herzchen sie ist auch ohne wach
auch zum schlagen nicht der flossen
auch nicht zum bäumen zum erschrecken
auch nicht zu einem letzten atemholen: ach

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