Die Ghana-Briefe
(aus:
Die Ghana-Briefe, 2004, Edition
Selene)
(…) Es gibt da draußen keinerlei Straßenbeleuchtung, und die Konturen der Landschaft hatten eben das Stadium der Auflösung überschritten; vor der aufziehenden Nacht war das hellste Element die Oberfläche des träge ziehenden Flusses, die den dunkelgrauen Himmel widerspiegelte, daneben tiefgrau und anthrazitfarben vorne bis weiter hinten ins Schwärzliche mündend die Ufer und das weite Land, alles zusammen von einer wilden, mystischen, unbändig kraftvollen Schönheit. Wie ein eigenständiges Wesen, ein riesiger sich recken- und streckender Organismus lag die Erde da, dunkel und gewaltig, als lägen Muskelstränge unter der dünnen Erdkrume, als wären die an der sanft gebogenen Linie des Horizonts im grauen Gefüge der Dämmerung nur als Irritation auszumachenden Gewächse bloß Beiwerk und Bewuchs einer Macht, die, getrennt und doch einig mit dem etwas helleren Himmel, von ergreifender Ruhe und Geduld seit Zeitaltern ausharrt und den Menschen trägt, trägt. (…)
Rezension I Buchbestellung III04 LYRIKwelt © Edition Selene