1000 Stimmen
Ich stehe am
Wasserfall und höre auf die Flut, die sich in die Tiefe stürzt. Und es klingt
als seinen es 1000 Stimmen und jede einzelne will mir etwas erzählen, mir etwas
raten. Doch leider ich kann sie nicht verstehen. Immer noch bin ich zu weit von
der Stimme der Wahrheit entfernt. Aber schon so nah, dass ich die Stimmen
wahrnehmen kann. Alles was ich verstanden habe war „Lebe!“
Was
meinen die Stimmen damit? Ich lebe doch. Oder nicht? Wohl nicht, denn sonst würden
diese 100 Stimmen mich wohl nicht dazu auffordern. Ist das vielleicht unsere
Lebensaufgabe, die Stimmen der Wahrheit wieder zu verstehen? Dürfen wir danach
nach Hause? Nach Hause, wo ist das eigentlich? Sind wir Menschen nicht Normaden,
die eigentlich nur auf dieser Erde sind um eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen?
Vielleicht ist es tatsächlich so, dass wir nur über schwerste Schicksalsschläge
in der Lage sind, die Sprache der Wahrheit wieder zu entdecken, und gleichzeitig
noch die Geduldsprobe zu bestehen. Wenn wir beides erfüllt haben, dann dürfen
wir glücklich und erfüllt wieder nach Hause.
Ich
habe so viele Menschen beobachtet, die wieder nach Hause gegangen sind. Die
einen glücklich und erfüllt. Die anderen elend leidend, ja schreiend haben sie
das Hier verlassen, einsam, verlassen und leer. Und die, die in aller Ruhe sich
auf den Weg nach Hause machen, an denen kann man beobachten, wie sie sich mit
anderen vorher noch unterhalten, wie sie ihre Wegbegleiter begrüßen und
willkommen heißen. Zusammen mit ihnen machen sie sich dann Schritt für Schritt
auf den Weg in die „neue“ Welt, die wir vielleicht tief in unserem Inneren
schon kennen. Die aber mit alle möglichem Alltagsmist verdeckt wurden und was
uns die Erinnerung an zu Hause so schwer macht.
Vielleicht
ist das auch der Grund, warum immer weniger Menschen „Heimweh“ haben. Weil
sie vergessen haben wo Daheim ist.
Im
Volksmund sagt man „Daheim ist da, wo das Herz ist!“ Und wo ist das Herz?
Welches Herz? Hab ich so was? Könnte sich jetzt manch einer Fragen. Tja, es ist
kalt geworden in uns. Die Stimmen, die wir noch vor Jahren hörten, die uns
immer begleitet haben in unserer Kindheit, wenn wir alleine waren, sind leiser
geworden oder ganz verstummt. Sind sie wirklich leiser geworden? Nein, wir sind
nur nicht mehr in der Lage sie zu hören, weil unsere Ohren krank geworden sind.
Krank vom Lärm der Zeit. Krank vom Lärm der Eitelkeit und des Egoismus. Krank
vom Lärm der Jagt nach Ruhm und Anerkennung. Der
Schmalz der Idiotie hat unsere Ohren verstopft. Der Schmalz des Hasses und der
Gewalt.
Und
dann bekommen viele noch Ohrenstopfen, damit sie nur noch das hören, was ihre Führer
ihnen sagen. Egal ob von ihren Religionsführern oder den Politikern. Die
Stopfen sind so gemacht, dass nur diese Klänge hindurch kommen.
Aber
wie heilt man diese kranken Ohren. Wie bekommt man sie wieder sauber und wie
bekomme ich diese Stopfen wieder raus? Nur durch meinen eigenen festen Willen,
mein Leben selbst zu steuern. Nur durch den festen Wunsch, endlich nach Hause zu
kommen. Und ich frage mich immer wieder, ob ich dazu eine Kirche brauche oder ob
ich das auch alleine schaffe. Auf diese Frage bekomme ich nur ein Ja. Denn, ohne
Kirche, kann ich keine Gemeinschaft mit Jesus durchs Abendmahl erleben und somit
auch nicht mit Gott. Ohne Kirche, fehlt mir das Wort Gottes, das mich aufbaut
und mir Kraft gibt. Das Wort Gottes ist Brot für unsere Seelen. Und noch eines
gibt mir das Wort Gottes, Hinweise auf unsere wirkliche Heimat. Nämlich die
Heimat bei Gott.
Wie
sieht denn diese Heimat aus? In der Heiligen Schrift ist sie beschrieben als die
Stadt der goldnen Gassen und die Herrlichkeit Gottes wird mitten in ihr sein.
Ich werde gerade daran erinnert, wie ich mir diese Stadt als Kind vorgestellt
habe. Es war eine Stadt, deren Straßen aus Gold waren. Die Häuser sind aus
Edelsteinen gebaut, die heller leuchten als alle Diamanten und Rubine, die die
Welt kennt. Und mittendrin steht Gott mit einem Licht, das 1000x heller ist als
die Sonne. In den Bächen fließen nicht Wasser sondern Milch und Honig, so wie
es dem Volke Israel nach dem Auszug aus Ägypten verheißen war. Und um diesen
großen Gott haben sich alle versammelt, die Gott erwählt hat mit ihm auf ewig
in dieser Stadt zu leben. In der Stadt, in der niemand mehr weinen wird und
keiner mehr krank ist. Dort wird es auch keine Sünde und keinen Tod mehr geben.
Das muss doch so herrlich sein. Ich will auch einmal dort dabei sein.
Aber
wie komme ich denn dort hin? In dem ich lebe. Aber wie leben? In der heiligen
Schrift steht, es werden alle dabei sein, die ein Gott wohlgefälliges Leben geführt
haben. Aber was muss ich denn tun, um solch ein Leben zu führen? Jesu sprach
einmal davon, dass man die Gebote achten soll. Aber um es uns Mensch einfacher
zu machen, fasste er alle Gebote zu einem zusammen. „Du sollst Gott Deinen
Herrn lieben von ganzem Herzen und ganzem Gemüte, und Deinen nächsten wie Dich
selbst.“ Und ich bin mir sicher und empfinde es auch so, dass wenn man sich an
dieses Gebot hält, dass einem dann die Stimmen der Wahrheit den nächsten
Schritt erklären werden.
Ja,
wieder einmal ist das Thema „Liebe Deinen Nächsten“. Viele, die meine
anderen Texte gelesen haben, werden vielleicht sagen: „Nicht schon wieder.“
Aber für mich stellt sich immer mehr heraus, dass dies ein elementarer Punkt zu
einem erfüllten Leben ist. Aber warum ist das so? Weil nur, wer den Nächsten
achtet und „liebt“, der wird wieder „geliebt“. Und der nächste ist
nicht nur der, der in der eigenen Familie ist, sondern jeder, der mir gegenüber
steht, sitzt, lebt oder arbeitet. Einfach jeder, der mir begegnet. Außerdem
kann man, wenn man wirklich jeden akzeptiert und toleriert vieles erreichen.
Stellen sie sich einmal vor, wie der Kollege, der sie absolut nicht leiden kann
oder sogar mobbt, schaut, wenn sie ihm einen Kuchen hinstellen und sagen:
„Hier für Dich!“ und ihn dann liebevoll anlächeln. Ich weiß, solche
Aktionen sind sehr schwer und dennoch von Nöten. Denn Jesus sagte auch damals,
dass wir unsere Feinde lieben sollen. Und er hat es uns auch vorgelebt. Als
deutlichstes Beispiel will ich hier seine Kreuzigung erwähnen, als er sagte:
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ Er hatte ihnen
vergeben, und welche liebe muss man da in sich tragen um seinen Mördern zu
verzeihen. Und wir Menschlein, maßen uns an einen Menschen zu verurteilen, nur
weil er unseren Gruß nicht erwidert? Eigentlich traurig.
Rezension I Buchbestellung I home IV06 LYRIKwelt © J. Sch.