Jürgen Scheubach

1000 Stimmen

Ich stehe am Wasserfall und höre auf die Flut, die sich in die Tiefe stürzt. Und es klingt als seinen es 1000 Stimmen und jede einzelne will mir etwas erzählen, mir etwas raten. Doch leider ich kann sie nicht verstehen. Immer noch bin ich zu weit von der Stimme der Wahrheit entfernt. Aber schon so nah, dass ich die Stimmen wahrnehmen kann. Alles was ich verstanden habe war „Lebe!“

Was meinen die Stimmen damit? Ich lebe doch. Oder nicht? Wohl nicht, denn sonst würden diese 100 Stimmen mich wohl nicht dazu auffordern. Ist das vielleicht unsere Lebensaufgabe, die Stimmen der Wahrheit wieder zu verstehen? Dürfen wir danach nach Hause? Nach Hause, wo ist das eigentlich? Sind wir Menschen nicht Normaden, die eigentlich nur auf dieser Erde sind um eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen? Vielleicht ist es tatsächlich so, dass wir nur über schwerste Schicksalsschläge in der Lage sind, die Sprache der Wahrheit wieder zu entdecken, und gleichzeitig noch die Geduldsprobe zu bestehen. Wenn wir beides erfüllt haben, dann dürfen wir glücklich und erfüllt wieder nach Hause.

Ich habe so viele Menschen beobachtet, die wieder nach Hause gegangen sind. Die einen glücklich und erfüllt. Die anderen elend leidend, ja schreiend haben sie das Hier verlassen, einsam, verlassen und leer. Und die, die in aller Ruhe sich auf den Weg nach Hause machen, an denen kann man beobachten, wie sie sich mit anderen vorher noch unterhalten, wie sie ihre Wegbegleiter begrüßen und willkommen heißen. Zusammen mit ihnen machen sie sich dann Schritt für Schritt auf den Weg in die „neue“ Welt, die wir vielleicht tief in unserem Inneren schon kennen. Die aber mit alle möglichem Alltagsmist verdeckt wurden und was uns die Erinnerung an zu Hause so schwer macht.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum immer weniger Menschen „Heimweh“ haben. Weil sie vergessen haben wo Daheim ist.

Im Volksmund sagt man „Daheim ist da, wo das Herz ist!“ Und wo ist das Herz? Welches Herz? Hab ich so was? Könnte sich jetzt manch einer Fragen. Tja, es ist kalt geworden in uns. Die Stimmen, die wir noch vor Jahren hörten, die uns immer begleitet haben in unserer Kindheit, wenn wir alleine waren, sind leiser geworden oder ganz verstummt. Sind sie wirklich leiser geworden? Nein, wir sind nur nicht mehr in der Lage sie zu hören, weil unsere Ohren krank geworden sind. Krank vom Lärm der Zeit. Krank vom Lärm der Eitelkeit und des Egoismus. Krank vom Lärm der Jagt nach Ruhm und Anerkennung.  Der Schmalz der Idiotie hat unsere Ohren verstopft. Der Schmalz des Hasses und der Gewalt.

Und dann bekommen viele noch Ohrenstopfen, damit sie nur noch das hören, was ihre Führer ihnen sagen. Egal ob von ihren Religionsführern oder den Politikern. Die Stopfen sind so gemacht, dass nur diese Klänge hindurch kommen.

Aber wie heilt man diese kranken Ohren. Wie bekommt man sie wieder sauber und wie bekomme ich diese Stopfen wieder raus? Nur durch meinen eigenen festen Willen, mein Leben selbst zu steuern. Nur durch den festen Wunsch, endlich nach Hause zu kommen. Und ich frage mich immer wieder, ob ich dazu eine Kirche brauche oder ob ich das auch alleine schaffe. Auf diese Frage bekomme ich nur ein Ja. Denn, ohne Kirche, kann ich keine Gemeinschaft mit Jesus durchs Abendmahl erleben und somit auch nicht mit Gott. Ohne Kirche, fehlt mir das Wort Gottes, das mich aufbaut und mir Kraft gibt. Das Wort Gottes ist Brot für unsere Seelen. Und noch eines gibt mir das Wort Gottes, Hinweise auf unsere wirkliche Heimat. Nämlich die Heimat bei Gott.

Wie sieht denn diese Heimat aus? In der Heiligen Schrift ist sie beschrieben als die Stadt der goldnen Gassen und die Herrlichkeit Gottes wird mitten in ihr sein. Ich werde gerade daran erinnert, wie ich mir diese Stadt als Kind vorgestellt habe. Es war eine Stadt, deren Straßen aus Gold waren. Die Häuser sind aus Edelsteinen gebaut, die heller leuchten als alle Diamanten und Rubine, die die Welt kennt. Und mittendrin steht Gott mit einem Licht, das 1000x heller ist als die Sonne. In den Bächen fließen nicht Wasser sondern Milch und Honig, so wie es dem Volke Israel nach dem Auszug aus Ägypten verheißen war. Und um diesen großen Gott haben sich alle versammelt, die Gott erwählt hat mit ihm auf ewig in dieser Stadt zu leben. In der Stadt, in der niemand mehr weinen wird und keiner mehr krank ist. Dort wird es auch keine Sünde und keinen Tod mehr geben. Das muss doch so herrlich sein. Ich will auch einmal dort dabei sein.

Aber wie komme ich denn dort hin? In dem ich lebe. Aber wie leben? In der heiligen Schrift steht, es werden alle dabei sein, die ein Gott wohlgefälliges Leben geführt haben. Aber was muss ich denn tun, um solch ein Leben zu führen? Jesu sprach einmal davon, dass man die Gebote achten soll. Aber um es uns Mensch einfacher zu machen, fasste er alle Gebote zu einem zusammen. „Du sollst Gott Deinen Herrn lieben von ganzem Herzen und ganzem Gemüte, und Deinen nächsten wie Dich selbst.“ Und ich bin mir sicher und empfinde es auch so, dass wenn man sich an dieses Gebot hält, dass einem dann die Stimmen der Wahrheit den nächsten Schritt erklären werden.

Ja, wieder einmal ist das Thema „Liebe Deinen Nächsten“. Viele, die meine anderen Texte gelesen haben, werden vielleicht sagen: „Nicht schon wieder.“ Aber für mich stellt sich immer mehr heraus, dass dies ein elementarer Punkt zu einem erfüllten Leben ist. Aber warum ist das so? Weil nur, wer den Nächsten achtet und „liebt“, der wird wieder „geliebt“. Und der nächste ist nicht nur der, der in der eigenen Familie ist, sondern jeder, der mir gegenüber steht, sitzt, lebt oder arbeitet. Einfach jeder, der mir begegnet. Außerdem kann man, wenn man wirklich jeden akzeptiert und toleriert vieles erreichen. Stellen sie sich einmal vor, wie der Kollege, der sie absolut nicht leiden kann oder sogar mobbt, schaut, wenn sie ihm einen Kuchen hinstellen und sagen: „Hier für Dich!“ und ihn dann liebevoll anlächeln. Ich weiß, solche Aktionen sind sehr schwer und dennoch von Nöten. Denn Jesus sagte auch damals, dass wir unsere Feinde lieben sollen. Und er hat es uns auch vorgelebt. Als deutlichstes Beispiel will ich hier seine Kreuzigung erwähnen, als er sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ Er hatte ihnen vergeben, und welche liebe muss man da in sich tragen um seinen Mördern zu verzeihen. Und wir Menschlein, maßen uns an einen Menschen zu verurteilen, nur weil er unseren Gruß nicht erwidert? Eigentlich traurig.

1000 Stimmen erzählen mir heute die Geschichte des Lebens, meines Lebens, aber die ist Gegenstand eines anderen Werkes.

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