Bunker von Andrea Maria Schenkel, 2008, Edition Nautilus

Andrea Maria Schenkel

Bunker
(Leseprobe aus: Bunker, Roman, 2009, Edition Nautilus).

Ich stoße mich von der Wand ab, robbe unter dem Bett hervor. Das dauert viel zu lange. Ich schaff’s noch, schaff’s noch zur Tür. Lauf, lauf! Auf allen Vieren krabble ich los, versuche im Krabbeln aufzustehen, zur Tür! Durch den zweiten Raum durch. Ich kann die Tür sehen! Die Bunkertür schließt sich langsam, ganz langsam. Quietschend.

Dunkelheit. Ich strauchle, stürze zu Boden. Mein Gesicht schlägt auf den Betonboden, hart, kalt und klamm fühlt er sich an. Meine Handflächen brennen vom Sturz, ich versuche mich abzustützen, hebe meinen Kopf, Richtung Tür. Die ist zu. Alles schwarz um mich herum, nur ein schmaler Lichtstreifen unter der Bunkertür. Ich robbe nach vorne auf den Lichtstreifen zu. Ich höre meinen Atem, ziehe die Luft durch den geöffneten Mund ein, laut. Ich atme schnell, mein Brustkorb hebt und senkt sich bei jedem Atemzug. Ich lege mich flach vor den Lichtstreifen auf den Boden. Versuche mit meinem Gesicht ganz nahe heranzurücken.

Ich spüre die kalte Zugluft, die durch den Spalt in den Bunker strömt. Vielleicht kann ich durch ihn nach draußen sehen? Ich muss mich noch stärker mit dem Gesicht an den Boden pressen. Ganz nahe an den Spalt heran, ganz nahe. Der Schatten zweier Füße. Der Schatten verschwindet.

Ich höre einen dumpfen Schlag, die hölzerne Falltür ist zugefallen, der Lichtspalt ist weg. Völlige Dunkelheit.

Alles ist schwarz, alles! Überall Finsternis.

Ich liege noch immer vor der Tür. Die rechte Hälfte meines Gesichts auf dem kalten Betonboden, Mund und Nase fest an den Spalt unter der Metalltür gepresst.

Wie ein Fisch auf dem Trockenen, schnappe panisch nach Luft.

Ich liege da. Eigentlich müsste ich aufspringen, schreien, wie wild gegen die Tür schlagen. Doch ich liege da, erschöpft, leer. Verliere in der Dunkelheit jedes Gefühl für Zeit. Spüre, wie die Kälte des Bodens langsam in meinen Körper dringt, wie ich auskühle. Mir ist, als falle ich in ein tiefes Loch. Ich sauge die Luft ein, und mit jedem Atemzug zieht es mich tiefer hinab. Ich schließe die Augen, oder habe ich sie geöffnet? Es spielt keine Rolle, die Finsternis ist dieselbe. Ich liege da, fühle mich leer, furchtbar leer.

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