|
|
Tannöd
(Leseprobe aus:
Tannöd, Roman, 2007, Edition
Nautilus)
»Der Dämon sitzt in jedem und jeder kann
seinen Dämon jederzeit herauslassen.«
Der Bauer, ein großer, kräftiger Mann, einsilbig. Während des Abendessens
hat er nicht viel gesprochen. Er hat sie nur kurz begrüßt, als er in die
Stube kam. Ein fester Händedruck, ein abschätzender Blick, das war alles.
Seine Frau, auch sie sehr still. Älter als ihr Mann. Verhärmt, verschlossen.
Sie sprach das Tischgebet.
Die Tochter, sie war nett zu Marie. Hat gefragt, ob sie außer der Traudl noch
andere Geschwister hat, Nichten und Neffen. Hat sich nach deren Namen
erkundigt und nach dem Alter.
Mit der kann man noch am besten auskommen, denkt sich Marie.
Und die Kinder …
Die Kinder hier im Haus sind nett. Nette Kinder, besonders der kleine Bub. Der
hat sie gleich angelacht. Der wollte immer mit ihr spielen. Sie hat mit ihm
gescherzt. Hat ihn auf ihren Schoß genommen und auf den Knien reiten lassen,
wie sie es immer mit den Kindern ihrer Schwester gemacht hat. »Hoppe Reiter«
hat sie mit ihm gespielt, von ihrem Schoß hat sie ihn plumpsen lassen. Der
Kleine hat vor lauter Lachen gegluckst.
Wie die junge Bäuerin die Kinder zu Bett geschickt hat, da ist die Marie auch
aufgestanden.
Hat gesagt: »Ich geh auch gleich in die Kammer, muss meine Sachen noch
einräumen. Dann kann ich morgen in aller Früh gleich anfangen.«
Sie hat allen eine gute Nacht gewünscht und ist in ihre Kammer gegangen.
Draußen ist das Wetter noch schlechter geworden. Der Wind nimmt immer mehr
zu. Es stürmt.
Das Fenster ist nicht besonders dicht, der Wind pfeift durch die Ritzen. Marie
bemerkt einen Luftzug. Sie dreht sich um zur Tür.
Die Tür steht leicht offen. Marie will sie schließen. Da bemerkt sie, wie
sich die Tür langsam, knarrend immer mehr öffnet. Ungläubig staunend blickt
sie auf den größer werdenden Spalt.
Marie ist unschlüssig, sie weiß nicht, was sie tun soll. Steif und starr
bleibt sie einfach nur stehen. Den Blick auf die Tür gerichtet. Bis sie ohne
ein Wort, ohne eine Silbe von der Wucht des Schlages zu Boden fällt.
Rezension I Interview I Buchbestellung I home 0I07 LYRIKwelt © Edition Nautilus