Was ein Baum wert ist
Vor meinem
Fenster in bemooster Wiese,
Steht ein immergrüner Riese.
Nächste Woche wird die Fichte schon gefällt,
Machtlos dagegen der, dem’s nicht gefällt.
Obschon sehr
hoch und gut gewachsen,
Dekaden brauchte, um zu wachsen,
Beansprucht der stolze Nadelbaum,
Offensichtlich wenig Raum.
Ich hegte nie
die Befürchtung, er könne knicken,
Wenn er mit herausforderndem Nicken,
Seufzend und sich schüttelnd, Sturmböen besiegte.
Mochte es aber, wie sich sein Wipfel sanft im Winde wiegte.
Im Sommer
sassen in seinem Schatten Gäste
Und seine ausladenden Äste,
Verströmten würzigen Wohlgeruch.
Dahinter versteckt, las ich manch gutes Buch.
Unter spitzen
Nadelzweigen lagen
An sehr heissen Tagen,
Schlafende Katzen, gut verborgen
Und fühlten sich hier kühl geborgen.
Die Rottanne
hat viel Besuch erhalten,
Von Singvögeln aller Arten,
Die munter hüpfend vom Zweige springen,
Frühmorgens schon, ihr Jubilate singen.
Wie sehr ich
doch stets den Duft genoss,
Von jungem, frischem Tannenschoss,
Wenn ich nach einem Regentag,
Aus dem Haus ins Freie trat.
Besonders
schön erstrahlte meine Fichte,
Im weissen Winterkleid;
Doch geheimnisvoll und festlich im Lichte,
Zur Weihnachtszeit.
Mein
Tannenbaum, du wunderbare Konifere,
Mich vergeblich für dich wehre;
Ich kann es nicht verhehlen,
Du wirst mir unglaublich fehlen!
Noch weitere
Bäume sollen mit dir weichen,
Die angeblich nah ans Haus hinreichen.
Ich aber werde dem Trauerspiel nicht frönen,
Wenn die Kettensägen dröhnen!
Rezension I Buchbestellung I home 0I10 LYRIKwelt © Ch.Sch.