streumen von Ulrike Almut Sandig, 2007, Connewitzer

Ulrike Almut Sandig

KOLOR
(Leseprobe aus:
streumen, Gedichte, 2007, Connewitzer Verlagsbuchhandlung).

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schieß ein B I L D: meine kleider sind
blau. vergiss mein nicht. diese blume ist
blau. alles, was wir haben, ist uns auch von
belang! alles ist blau, ja! blau. mein schatz ist
ein matrose. wiesel sind blau, dieses wetter
ist blau, dein display ist blau, die gedichte
sind blau, meine pfeife ist immer meine
pfeife, mein rauch ist blau, alle ringe
sind blau, himmel ist blau. enzian,
singst du, soll auch blau sein.

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die erde gibt aus der nähe gesehen kein bild ab,
sie sieht nur von weitem blau aus. genauso wenig
kleider, rauch, die liebe, blumenstiele. von hier aus
gesehen ist nichts blau. genauso wenig ein screen.
screen ain’t blue. screen is the melancholic G A P,
zugehängt mit wetterkarten. screen is absence
of things. mein ring ist nicht blau, textil ist
nicht blau, wetterkarten sind nicht blau.
himmel soll auch nicht blau sein.

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