Peter Salenga

Schminkgedicht

Eigentlich wärst Du ganz schön –
Doch leider hab ich dich selten geseh’n.

Dein Mund wär schön
Und Deine Augen klar

Doch leider bist du immer so geschminkt.

Ich hab es dir schon tausendmal gesagt,
daß du’s nicht nötig hast
und außerdem – das bist nicht du !

Das ist nur deine Maske
Fernab von dem, was wirklich ist.

Du sagst, es muß so sein.
Du sagst, du fühlst dich nackt.
Du sagst, du gehst nicht aus dem Haus
Zuerst muß zentimeterdick
Die Schicht auf dein Gesicht.

Wie seh’n ich mich, wenn heute nacht
Du ohne bist –
So ohne Schicht –
Ganz du allein.

Wenn du dich abgeschminkt
Nun ganz du selbst –
So ohne Schicht.

Erst jetzt erkenn ich dich –
Der Tag war lang
Doch hat sich’s wieder mal gelohnt für mich:
Für drei Minuten hab ich dich
So wie du wirklich bist –
So schön dein Mund und deine Augen –

Doch morgen früh
Da bist du wieder weggeschminkt
Und meinst zudem es wäre schön.

Ich bitte dich, so glaube mir:
Es ist so fürchterlich – du merkst es nicht.

Denn alle Welt schaut in dein
Schminkgesicht.

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