Agnieszka Rzadca

Dialog
Für meinen Vater, Detlef Dehnert  

Hallo, Frau Helena!
Ja, guten Tag, Sie sind ja wiedergekommen !
Das habe ich Ihnen doch versprochen.
Es kommt doch so selten jemand vorbei.
Nun bin ich ja da, wollen wir uns etwas unterhalten ?
Ja.
Wie geht es Ihnen denn heute ?
Ich hatte schon bessere Tage.
Warum, was ist denn passiert ?
Meine Mutti ist gestern gestorben.
Aber Ihre Mutter ist schon vor 25 Jahren gestorben.
Nein, gestern bei den Proben wurde ich angerufen.
Wo waren Sie gestern ? 
Beim Tanzunterricht natürlich.
Sie können doch gar nicht mehr laufen.
Nein, das stimmt nicht, nur wenn schlechtes Wetter ist.
Ja, deswegen sind Sie doch hier.
Junge Dame, möchten Sie Kaffee trinken ?
Sehr gerne, Frau Helena.
Moment es klingelt. Ja, hallo, hallo, wer ist denn da ?
Hi, hi.
Warum lachen Sie denn ?
Fr. Helena, Sie halten eine Fernbedienung in der Hand.
Ach so, habe ich gar nicht gemerkt. Gießen Sie uns doch bitte Kaffee ein.
Mache ich.
Ach schade, dass ich nicht mehr tanzen kann.
Mhm.
Wissen Sie, nur auf der Bühne war ich wirklich ich.
Ja.
Da blühte ich auf. Das Feuer meiner Leidenschaft brannte.
Sie sind doch jetzt auch hübsch, Sie achten auf  Ihr Aussehen.
Mädchen, ich bin alt. Im Rollstuhl sitze ich nur noch meine Zeit ab.
Ja, aber sie singen doch immer noch so schön.
Früher da war meine ganze Familie bei und all die anderen Leute.
Und jetzt nicht mehr ?
Jetzt, jetzt starre ich graue Wände an, die kommen nur zu den Festen !
Wer sind die ?
Na die, die mich hierher gebracht haben und mich allein gelassen haben.
Ich bin nun da und Ihr Sohn muss arbeiten.
Muss er denn tags und nachts arbeiten ? Seine alte Mutter ist für ihn wohl Luft.
Soll ich den Kuchen schneiden ?
Machen Sie, was Sie wollen; meine Eltern sind gestorben und keiner hilft mir.
Weinen Sie doch nicht, nun sind wir zu zweit.
Ach Mädchen, ich habe gar kein Geld. Wie soll ich das alles bezahlen ?
Sie brauchen nichts zu bezahlen, Ihr Sohn regelt alles.
Ich habe einen Sohn ?
Ja, schauen sie sich das Photo an.
A ja, so ein kleiner süßer Junge mit blondem Haar.
Möchten Sie jetzt den Kuchen essen ?
Ja.
Ihr Mann war doch auch Tänzer, nicht wahr ?
Ja, er war der Leiter der Ballettschule und er war auch Lehrer.
Hier ein Stück Kuchen für Sie.
Danke! Aber der Tee schmeckt nicht.
Fr. Helena, das ist ein Kaffee, Sie wollten doch Kaffee.
Schauen Sie, die da guckt uns komisch an, die will doch bestimmt etwas.
Fr. Lotte wohnt mit Ihnen zusammen im Zimmer.
Hören Sie Mal, sie horcht uns aus, die will uns doch alles klauen.
Nein, Fr. Helena, die Frau liegt nur noch im Bett.
Aber Fräulein, wer weiß, wo sie sich nachts herumgetrieben hat.
Sie ist nicht aus Ihrer Tanzschule.
Das ist doch egal, alle Mädchen müssen über Nacht zu Hause sein.
Schmeckt Ihnen denn der Kuchen ?
Das geht Sie gar nichts an. Raus hier, Sie wollen ja bloß meinen Mann ! 

Danke für das Gespräch, bis zum nächsten Mal, Fr. Helena.

Ja, aber kommen Sie bald. Ich bin doch … 

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