Michael Rumpf

Satzwechsel I

Die Theorie ereilt unser Gefühlsleben: wir haben bereits das Bedürfnis, Bedürfnisse zu haben.

Rechtfertigung des Glücks: Glückliche leisten mehr.

Sogar friedfertige Intellektuelle hören gern, sie verfügten über eine große Sprachgewalt.

Kunstliebhaber schätzen das Irritierende an der Kunst. Und den beruhigen steigenden Preis ihrer
Original-Lithographien.

Wenn ein Dramatiker seinen Sohn beim Theater unterbringt, hat er ihm Theaterblut vererbt. Was vererbt ein
Bergmann, der seinem Sohn einen Arbeitsplatz im Bergwerk verschafft?

Rastlos arbeitet er gegen die Leistungsgesellschaft.

Vorzug. Der Erfolg muß sich stetig steigern, der Mißerfolg nicht.

Noch der radikalste Zweifel am Wirklichkeitsbezug der Sprache erlischt, wenn der Autor gelobt wird.

Manche bekämpfen die Harmonie, als wäre sie die Ursache aller Schrecken.

Gehört die Veränderung der bestehenden Verhältnisse nicht längst zu den bestehenden Verhältnissen?

Rezension I Buchbestellung I home III00 © LYRIKwelt