Über das Schreiben
Anfangs war es eine
Möglichkeit
Das gelebte Un-Leben
Zu verarbeiten
Das was passierte
Mit mir
Gemacht wurde (aufgrund der Macht)
Zu dokumentieren
Anfangs war es nur
Ich und meine
Nicht-Gefühle
Auszudrücken durch mich
Und mein
Stummes schreien
Wenigstens aufzuschreiben
Für mich
Damit ich nicht vergaß
Das ich stumm schrie
Und überhaupt nichts vergaß
Obwohl ich eigentlich vergessen wollte
Wie mir gesagt wurde:
"Du kannst nicht vergessen!"
Mußte meine Reaktion Trotz sein:
"Hier lies - ich kann schreiben über vergessen!"
Und ich schrieb über
Vergessen und
Erinnern
Dann erinnerte ich mich
Und schrieb weiter
Diese furchtbaren
Erinnerungen auf
Komisch - Wie gut das tat
Und dann wieder:
"Hier - lies meine Erinnerungen!"
Ich konnte sie nicht erzählen
Aber lesen lassen
Gefühle kamen wieder
Im laufe der Jahre
Und ich schrieb sie nieder
Denn Leben fiel mir schwer
Aber das Niederschreiben über
Die Schwierigkeit meine Gefühle
Zu leben machte es schon besser
Ich wollte mich nicht mehr nieder-machen
Dann wieder ein neuer
Wendepunkt - Ich wurde mutig
und las das Geschriebene vor
Aber immer nur einer
Es war immer noch leichter
Als frei zu erzählen
Denn frei war ich
Noch lange nicht
Ich machte Fortschritte
Nicht-Gefühle wurden
Gefühle
Was ich jedoch auch hasste
Über Hass zu schreiben
Fiel mir leichter als über
Wut oder Trauer
"Schöne" Gedichte waren selten
Ich machte trotzdem weiter
Schlimm waren die
Schreib-Hemmungen
Dann ging gar nichts mehr
Konnte diese Pausen
Kaum aushalten
Sie jedoch ebenso wenig
Überwinden
Nun der nächste Schritt
Eine Ausstellung wo ich
Meine Texte aufhing
Und sie jede - die wollte - lesen konnte
Um dann zu begreifen
Daß das von mir Geschriebene
Bei anderen ankommt und sogar
Etwas "auslöst"
Für mich ein
Riesenerfolg
Und der Ansporn
Es weiterhin zu tun
(1998)
Rezension I Buchbestellung I home 0I01 LYRIKwelt © Chr.R.