Chris Rotmund

Über das Schreiben

Anfangs war es eine
Möglichkeit
Das gelebte Un-Leben
Zu verarbeiten

Das was passierte
Mit mir
Gemacht wurde (aufgrund der Macht)
Zu dokumentieren

Anfangs war es nur
Ich und meine
Nicht-Gefühle
Auszudrücken durch mich

Und mein
Stummes schreien
Wenigstens aufzuschreiben
Für mich

Damit ich nicht vergaß
Das ich stumm schrie
Und überhaupt nichts vergaß
Obwohl ich eigentlich vergessen wollte

Wie mir gesagt wurde:
"Du kannst nicht vergessen!"
Mußte meine Reaktion Trotz sein:
"Hier lies - ich kann schreiben über vergessen!"

Und ich schrieb über
Vergessen und
Erinnern
Dann erinnerte ich mich

Und schrieb weiter
Diese furchtbaren
Erinnerungen auf
Komisch - Wie gut das tat

Und dann wieder:
"Hier - lies meine Erinnerungen!"
Ich konnte sie nicht erzählen
Aber lesen lassen

Gefühle kamen wieder
Im laufe der Jahre
Und ich schrieb sie nieder
Denn Leben fiel mir schwer

Aber das Niederschreiben über
Die Schwierigkeit meine Gefühle
Zu leben machte es schon besser
Ich wollte mich nicht mehr nieder-machen

Dann wieder ein neuer
Wendepunkt - Ich wurde mutig
und las das Geschriebene vor
Aber immer nur einer

Es war immer noch leichter
Als frei zu erzählen
Denn frei war ich
Noch lange nicht

Ich machte Fortschritte
Nicht-Gefühle wurden
Gefühle
Was ich jedoch auch hasste

Über Hass zu schreiben
Fiel mir leichter als über
Wut oder Trauer
"Schöne" Gedichte waren selten

Ich machte trotzdem weiter
Schlimm waren die
Schreib-Hemmungen
Dann ging gar nichts mehr

Konnte diese Pausen
Kaum aushalten
Sie jedoch ebenso wenig
Überwinden

Nun der nächste Schritt
Eine Ausstellung wo ich
Meine Texte aufhing
Und sie jede - die wollte - lesen konnte

Um dann zu begreifen
Daß das von mir Geschriebene
Bei anderen ankommt und sogar
Etwas "auslöst"

Für mich ein
Riesenerfolg
Und der Ansporn
Es weiterhin zu tun

(1998)

Rezension I Buchbestellung I home 0I01 LYRIKwelt © Chr.R.