Im Atemweg des Passagiers von Hendrik Rost, 2006, WallsteinHendrik Rost

Ultraschall
(Leseprobe aus: Im Atemweg des Passagiers, Gedichte, 2006, Wallstein)

Als die Aufnahme gemacht wurde, las ich
im Wartezimmer etwas über eingeschleppte Arten
und fragte mich, was es bedeutet, erster zu sein
in einer Welt, in der alles bereits besteht.
Das Neue erobert eine Nische,
bis jeder Winkel besetzt ist. Was war das Letzte,
worauf wir von allein gekommen sind?
Selbst der Trost, vorhanden zu sein, ist örtlich
begrenzt. Ich dachte an Wörter,
die Sinn ergeben; alles; was da ist, war Idee,
nichts ahnendes Wesen im Ballasttank eines Frachters,
von seiner See in andere Meere gespült.
Wo vorher gar nichts war, ist plötzlich die Angst
der anderen, verdrängt zu werden, der Stolz
der Eltern, die ein Monster geschaffen haben;
winzig wie etwas im Atemweg des Passagiers.

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