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Verschieden
(Leseprobe aus: Verschieden, Roman,
2006, Folio
Verlag)
Ich
atme durch, öffne vorsichtig die Tür. Ein langer Vorzimmergang, dominiert von
einem riesigen Barockspiegel. Und im Spiegel sehe ich, wie die beiden in einem
anderen Raum stehen, es könnte das Esszimmer sein. Er versperrt ihr den Weg zum
Vorzimmer, er ist einen Kopf größer als Gerda. Eine Holzstatue ist umgefallen.
Gerda steht vor ihm, funkelt ihn an, sie scheint jedenfalls unverletzt:
"Lass mich durch!"
"Schlag mich, wenn du durch willst, dann schlag mich."
"Hör auf damit."
"Du kommst hier nicht raus. Nie mehr, ich war lang genug viel zu blöd."
Ich gehe zurück durch den Gang, durch die Tür, läute noch einmal.
"Sie läutet schon wieder", schreit Gerda, jetzt ist es fast ein Weinen, "Lass mich gehen."
"Sie? Das ist keine Sie, da bin ich mir sicher."
"Bin ich doch", sage ich, jetzt nahe hinter hm stehend. Erschrocken nimmt er die Hände vom Türstock und dreht sich um. Für einen Moment glaube ich, er schlägt zu. Ich ducke mich.
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