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Der Tag, an dem der Banker
baden ging
(Leseprobe aus: Der Tag, an dem der Banker
baden ging, Roman, Edition
Nautilus)
Als die zerknitterte Kanzlerin die neuen Allensbach-Werte studierte, war sie gleich noch zerknitterter. Die SPD näherte sich konstant der 40-Prozent-Marke, die Union brachte es mit ach und krach auf 31, die FDP war auf dem Weg zur 1,8-Prozent-Partei und die anderen kratzten schon die 20 an. Es war ein undankbares Geschäft, die Deutschen zu regieren. Ständig fühlten sie sich hintergangen oder betrogen, und wenn man nur einmal Mehrwertsteuer oder Armutseventualantrag sagte, kriegten sie gleich den Röchelfred und drohten damit, den Saftarsch von der SPD zu wählen. Als ob Politik etwas wäre, wo man oben fünf Cent einwirft und unten kommt ein Lachsbrötchen raus.
Und dazu noch das ewige Gestänkere aus den eigenen Reihen. Alle wussten alles besser, mauschelten hinter ihrem Rücken und stellten immer dreister ihre Kompetenz in Frage. Da, wo sie herkam, wäre man mit solchen Leuten schnell fertig geworden.
Undankbares Pack. Wer hatte denn den Arbeits-Service für Langzeit-Arbeitslose eingeführt? Die Konjunktur-Steuer? Die Kopfpauschale? Die Wohlfahrtshilfswerke? Das Land war auf dem Weg nach oben, die Kernkataloge begannen zu greifen – Kernkataloge war das neue Wort für Reformen –, die Halbbeschäftigung war fast erreicht und mit den wenigen Hungerdemonstranten vor dem Reichstag wurden die Baggerführer fertig. Deutschland war ein Land der Zukunft und der positiven Umgestaltung. Und das war allein ihr Verdienst, das ließ sie sich von keinem kleinreden, nicht von Pocken-Norbert und seinem besoffenen Hessen-Mob, nicht von Zecken-Wulff und schon gar nicht vom Rollermann, der alten Trantüte.
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