Nachtpförtners Qualen
(aus: In der Mitte, 2000,
Ardenku-Verlag)
Mir wird schon wieder
angst und bang.
Der Tag war kurz. Die Nacht wird lang.
Sie foltert mich mit allerlei
Geplärr, Gezeter und Geschrei.
Die Vierzehn
viertelstündlich pisst
und dabei ihr Gebiss vermisst.
Die Achtzehn schreit nach Oropax.
Ich kann nicht schlafen! Heiße Sachs!
Ein dicker Bauch zum
Kreißsaal wankt.
Gepäck sich um den Vater rankt.
Die Schwester von Privatstation
verschwätzt die nächste Infusion.
Auf Intensiv wird
abgestellt.
Erlöst verlässt ein Mensch die Welt.
Ein Vater stolz den Filius hisst.
Die Vierzehn pisst und pisst und pisst.
In Dreinullneun ein
Tropfer piept.
Mein Kätzchen kommt herein und fiept
und bittet um sein Schlückchen Milch.
Aus Zwanzig brüllt der Rheumaknilch:
Ich brauch
die Schwester, aber flott!
Im Geist bedien ich das Schafott.
Geschwader! Putzfraun! Dreizehn Stück!
Die fehlen noch zu meinem Glück.
Und hennengleich, nach
Putzfraunart
wird nicht mit Weiberklatsch gespart.
Die Vierzehn pisst, der Kreißsaal plärrt,
der Tod wird ins Verlies gesperrt.
Wie gern würd
ich nur Dichter sein!
Hör auf zu jammern und zu schrein.
Ich seh dich hier fast jede Nacht.
Ich seufze auf. Mein Kätzchen lacht.
Es lacht mir mitten ins Gesicht.
Den Scheißjob tät ich wirklich nicht.
Rezension I Buchbestellung II02 LYRIKwelt © Chr.R.