Verzückte Distanzen von Monika Rinck, 2004, Zu Klampen

Monika Rinck

so einfach
(Leseprobe aus: Verzückte Distanzen, Gedichte, 2004, Zu Klampen/Edition Postskriptum)

ein hang, nein, eine große fläche,
sanfte hügel, aufgewölbtes, ich sehe ein gefälle,
eine streckung, ganz ergeben, einen bogen.
grün muss alles sein und ein verbindlicher olivenhain
spendet exquisiten schatten, selten,
äußerst selten.
es muss eine weite mulde sein
mit weichen übergängen, eine reling, erdnah,
an der silbrig grüne fransen wehn, es ist wohl
eine wiese! eine wiese! dort will ich das bleiben spürn
dass keiner geht und keiner zahlt und hungrig
oder müde wird. nicht das murren,
nicht die sorge, die, das wißt ihr schon,
ein wenig ehrenwerter dämon ist.
so sind wir nicht, wir haben hier
vermehrtes brot, wort, fische
und substanzen. ich sag es gleich:
wir mögen was substanzen sind und
was sie tun.
wie wunderbar, die fülle hier,
und wie das leben ist und wie das wort,
doch jesus christus sagt es mir
"du hast längst keine mitte mehr."
vielleicht könnten highheels hilfreich sein
für die balance, zum glück, schon kommen die apostel
den grünen hang herab, durchqueren
den olivenhain mit einer auswahl
stiefeletten.

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