Klaus RifbjergVaterlandsgesänge im Original von 1967 von Klaus RifbjergUhrenschlag der aufgelösten Zeit von Klaus Rifbjerg, 1991, Verlag Wort und Welt

Dänemark, Treu
(Leseprobe aus: Uhrenschlag der aufgelösten Zeit, Gedichte, 1991, Verlag Volk und Welt - Übertragung Lutz Volke)

Dänemark kommt
nicht auf Kommando heraus
nee, bleibt ruhig sitzen
in seinem Loch.
"Wuff", sagt's, 
und man lockt:
"Na, komm schon,
komm, komm, komm",
doch Dänemark verzieht sich nur
tiefer in seine Hundehütte.
Da sitzt es nun
und guckt auf Bornholm,
kratzt sich kurz am Skamlingsbanken, 
schnüffelt in Richtung Anholt
und lässt einen Wind streichen
unten bei Fanø.
Wie gewöhnlich regnet es draußen,
warum also sich aufraffen?
Nun,
man will Dänemark bei sich haben
und versucht's noch einmal:
"Komm doch, mein Hündchen,
komm heraus."
Die Antwort ist ein leises Knurren,
oder ist's eine Frage?
"Was hat man mit mir vor?"
Was man vorhat, was soll
man denn vorhaben?
Vielleicht will man dich streicheln,
Dänemark,
vielleicht bekommst du einen Tritt.
Vielleicht machen wir einen Lauf,
eine flotte Tour übern Kleinen Belt, 
was hältst du von einem Sprung nach 
Hindsgavl, dem Schloss,
du weißt,
auf dem Hügel,
die Fahnenstange,
es ist immer Ende Mai,
und dort steht Frantz Wendt,
fünf Schwäne im Arm,
und Dichter spielen Harfe
in einem Pavillon aus Glas, 
und ein Betrunkener steht
am Rand der Brücke,
sucht Halt in der Welt,
gestützt auf einen Strahl Urin,
der ihn mit dem Belt verbindet,
auch er ist ein Dichter,
Dänemark,
hast du nicht Lust, das zu sehen?
Dänemark brummt abermals
und streckt Skagen heraus
und dreht den Hals Barre,
sagt nochmals "Wuff",
aber läst sich dennoch herab
und fragt: "Woruff?"
Ja, das will ich dir sagen, mein Alter,
Dänemark sehen ist eine Freude, 
es darf nur nicht allzu häufig sein, 
doch, sagen wir, jedes dreißigste Jahr
muss Schnuffi raus und sich sehen lassen,
raus und sehen.
Hopphopp, Dänemark,
du sollst dein Bein
bei Kolding anheben
und kräftig bellen,
dass Læsø davonfliegt bis nach Hven.
Komm, alter fauler Fido,
Herrchens Treu,
du musst ein bisschen an die Luft!

Rezension I Buchbestellung I home II07 © LYRIKwelt