Zwischen den Kriegen, Heft 4, 1953

Werner Riegel

Ich atme...
(Leseprobe aus: Erstdruck: ZdK 121, Januar 1955, S. 136/Heiße Lyrik, 2007, Literarisches Bureau Christ & Fez)

Ich atme Frucht und Phlox 
Und ich denke an mich. 
Meine Hymnen für euch Gesocks  
Sind nicht mehr feierlich. 
Macht euch bloß nicht ins Hemd! 
Ich bin euch trotzdem gewogen 
Im Wind, der uns niederschwemmt, 
Wohin die Rußflocken flogen. 

Das Haupthaar voller Schinn 
Und eine Handvoll Abendstern - 
Dafür hält man die Schnauze hin 
Im Weinberg des Herrn. 
Das wollt ihr immer noch  
Mit Zungen preisen 
Bis in das stinkende Loch, 
In das sie euch dann schmeißen! 

Ich atme Frucht und Gras, 
Ich bin voller Gefühl. 
Lau fällt die Nacht und das, 
Was ich besingen will. 
Langsam rutsche ich weg 
Im Strom der Stille. 
Ihr seid der letzte Dreck, 
Mit dem ich die Strophen fülle.

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