Zwischen den Kriegen, Heft 5, 1953

Werner Riegel

Abendlaub, ein Dunkelblau...
(Leseprobe aus: Erstdruck: ZdK 24, April/Mai 1955, S. 177; hier überarbeitet nach: Heiße Lyrik, 1956, S. 26/Heiße Lyrik, 2007, Literarisches Bureau Christ & Fez)

Abendlaub, ein Dunkelblau, 
Stunden voll Zeit. 
Ich rauche, ich dichte auf deutsch, 
Was bin ich in Wirklichkeit? 
Der Wind und was ewig ist, 
Geht uns durch die Lappen. 
O Zikadengesang, der uns den Tag versüßt, 
Eh wir zusammenklappen! 

Atem, ein Vers, ein Fatum 
Dahinten hochgeweht. 
So wenig, so wundervoll 
Hängt der Duft im Staket. 
In Gras und Größe gekrallt 
Die Hand, die uns gehörte. 
Die Hamadryade im Hürtgenwald 
Steigt aus der feuchten Erde. 

Späte Zeit, späte Frucht, 
Hora des Hesperus. 
Ach, wie ist's möglich dann, 
Daß ich dich lassen muß! 
Schon treiben Leier und Schwan 
In die verlöschenden Streifen. 
Du darfst den schwarzen Päan 
Auf den Fingern pfeifen.

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