Marianne Riefert-Miethke

Freiheit der Phantasie

Phantasia - meine Insel der Ruhe - die Konturen meiner dunkelrot bemalten Lippen auf Pergamentpapier pressen, dabei an deinen nie vergessenen, erkalteten Mund denken - Gedichte lesen, wie die Lerche singt - Gitarrenklänge als Begleitung improvisiert. Gedankensprünge.
Die eigene Welt im Kopf - mir kann der Novembernebel nichts anhaben.
Gedanken wie Filme rückwärts laufen lassen - Adventszeit vor zwanzig Jahren - Harmoniestreben - du und ich, die Kinder und der Adventskranz mit den roten Flammen, für immer auf den Fotos festgehalten - die Tochter in einem Schlafanzug mit viel zu langen Ärmeln - du und ich, zueinander hingeneigt, verbunden durch unsere Kinder. Gedanken rollen weiter wie Lawinen, zehn Jahre später - noch grauer dein Bart.
Meine Ruhepausen: die Ausflüge ins Reich der Phantasie, eigene Welten ohne Zeit und Raum, Märchenwelten.
Zwei Felltiere, eng aneinandergepreßt, auf der Suche nach Wärme.
Bilanz ziehen - was war?
Was kommt?
Musik entführt mich in wärmere Länder - Muscheln suchen, Hand in Hand mit dir, meine Freundin Phantasia. Mit dir an der Seite fürchte ich nichts. Du schützt mich vor tiefen Löchern der Angst - du hältst Moosbetten bereit für mich. Wir tanzen im Sambaschritt. Wir sitzen im Zug des Lebens - immer in Bewegung, immer auf der Suche, ohne Ziel, ich fürchte mich nicht, wenn du mich bloß nicht verläßt, Phantasia.
Du kletterst mit mir auf Bäume, du schwingst mit mir im Rhythmus des Windes, du rennst mit mir um die Wette, du spielst mit mir Verstecken - die Grille und die Ameise.
Ich bin die Grille. Ich muß singen. Ich muß tanzen. Und ich vergesse, an Tage zu denken, für die ein Vorrat an Gedanken und Sicherheit angelegt werden muß.
Meine Börse hält Gedankensprünge bereit, die sich manchmal um die eigene Achse drehen.
Liebe Freundin, du und ich, wir werden es schon schaffen, gegen die Angst zu singen, gegen die Angst zu dichten, gegen die Angst zu leben.
Komm, laß uns fröhlich sein.

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